Arbeitslosenversicherung: Mangel an Gehorsam

Paul Ignaz Vogel

Kreativität und Versicherungsbürokratie: Das kann zusammen nicht gut gehen. Ein talentierter künstlerischer Mensch gerät in die Mühlen der Arbeitslosenversicherung. Lässt sich aber nicht zur Unterwerfung unter Inkompetenz und Willkür verführen. Erhobenen Hauptes steigt er aus und sagt Nein zum sinnlosen und Ressourcen verschleudernden System. Versicherung, ade!

Herr „Niemand“ (so will X.Y. genannt werden) arbeitet als grafisches Talent. „Niemand“ ist eine künstlerische Person mit einem hohen Bewusstsein für die eigene Freiheit und die Menschenwürde. Doch er hat einschlägige Erfahrungen mit der Versicherungsbürokratie erdulden müssen. Gesetz ist Gesetz, und die Arbeitslosenversicherung beruht nun einmal auch auf einem solchen, dem  Arbeitslosenversicherungsgesetz. “Niemand“ sieht durch die Blase der Illusionen das, was wirklich abgeht.

Weiterbildung ohne Wert

Die Arbeitslosenversicherung ALV darf kaum Weiterbildungen anbieten, welche der versicherten Person gegenüber regulär Beschäftigten einen Vorteil bietet. Ein Absurdum an sich, das die GesetzgeberInnen so beschlossen hatten. Herr „Niemand“  nimmt an einem solchen Kurs teil. „Niemand“ sagt: „Die oberste Priorität ist, so schnell wie möglich einen Job zu finden. Somit werden die Kurse kurz und oberflächlich gehalten. Eine Vertiefung und konkurrenzfähige Weiterbildung sind in diesem Kontext eine Illusion. Am Ende jedes Kurses wird eine schwungvoll unterzeichnete Bestätigung verteilt, die besagt: «der Kurs wurde besucht». Ob jemand sich wirklich Kompetenzen angeeignet hat, ist belanglos. Das Papier, das sich den Anschein eines Diploms gibt, ist beispielhaft für die Auffassung von Weiterbildung in diesem Betrieb.“ „Niemand“ gelangt zur Einsicht, dass es für seine berufliche Weiterbildung sinnlos ist, seine Zeit im staatlichen Leerlauf zu verplempern. Er steigt aus dem Ausbildungsprogramm aus und berichtet schriftlich der Personalberaterin im RAV seine Kritik. 

Freiwilliger Verzicht auf Versicherungsanspruch

Die Keule der Versicherungsbürokratie trifft darauf „Niemand“. Es werden ihm 16 Einstelltage für den Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung aufgebrummt. In seinem begründenden eMail skizziert die zuständige Amtsstelle das Verhalten von „Niemand“: „ Er richtet persönlich an die Bereichsleiterin und bezeichnet diese als Führungskraft, die sich autokratisch über die simpelsten Grundlagen hinwegsetzt: zuerst denken, dann handeln, er bezeichnet die Zusammenarbeit mit ihr als geprägt von Destruktivität und Mangel an Professionalität, ausserdem sei er nicht in dieses Projekt gekommen, um sich einer Willkür und einem unqualifizierten Verständnis von Zusammenarbeit und Gestaltung zu beugen”. “Niemand“ zieht nach der Strafverfügung die Konsequenzen und steigt aus der ALV aus. „Um mich vor dem schädlichen Einfluss der zuständigen Behörde zu schützen, habe ich mich nach der Aussprechung der Sanktionen abgemeldet. Ohne weitere Rückfragen seitens des Amts für Wirtschaft und Arbeit erhielt ich die Abmelde­bestätigung: «wünscht keine Vermittlung!».“

Jobben, autodidaktisch lernen und gestalten

„Niemand“ stammt aus einer freiheitsliebenden Familie. Seine Vater arbeitete früher als Schiffer, das heisst, er befuhr mit Kähnen den Rhein von Basel nach Rotterdam und zurück. Schon früh wusste auch „Niemand“, dass er eigene Wege gehen musste. Nach einer Maturität Typus E zog es ihn zum künstlerischen Gestalten in eine Fachklasse: er schloss aber nicht mit einem Diplom ab. Seither ist er als grafischer Allrounder tätig, konzipiert, zeichnet, illustriert, karikiert, macht Webdesign etc.. Sein nötiges Fachwissen im Internet-Zeitalter holt er sich als Autodidakt. Und wenn es Probleme mit dem Anpassungsdruck von Seiten der Systeme ergibt, jobbt er. Zum Beispiel als Hotelportier. Sein kärgliches Dasein fristet er heute mit Gelegenheitsaufträgen, ansonsten hilft die Freundin aus. 

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