Frauentragödie im Irak

Henriette Kläy

Eine Frau wird zwischen Familientradition, diktatorischem Regime, Erpressung,Folter und Spionage und den Interessen einer Schweizer Exportfirma zerrissen.Sie entscheidet sich zu einer Zweckehe um ihre Heimat verlassen zu können.

Faten (Pseudonym) wurde zur Zeit des grausamen Regimes von Saddam Hussein und seiner Baath-Partei im Irak geboren. Religionen waren verboten und jegliche Meinungsäusserung wurde als Hochverrat  mit Gefängnis und Folter bestraft. So kam es, dass Faten und ihre Geschwister zwar den Islam nicht mehr praktizierten, jedoch die Missstände im Lande ablehnten und ihre Meinung nicht zurück hielten, was fatale Folgen hatte. Ihr Bruder wurde erstmals verhaftet.

Studium mit Geheimdienst
Faten wollte keinesfalls das traditionelle arabische Frauenschicksal leben. Da ihr die Eltern nur ein naturwissenschaftliches Studium erlaubten, besuchte sie die entsprechende Fakultät, obwohl sie Kunst studieren und Regisseurin werden wollte. Erst später  schrieb sie sich für das Kunst-Studium ein. Allerdings musste sie der verhassten Baath-Partei beitreten, da dieses Studium ausschliesslich Parteimitgliedern vorbehalten war. Die Studierenden wurden von der Partei überwacht und waren verpflichtet, KommilitonInnen und ProfessorInnen zu bespitzeln und zu denunzieren. Angewidert von dieser Praxis gab sie nach zwei Jahren das Studium auf.

 

Schweizer Firma und Zweckehe

Dank ihren Englischkenntnissen fand sie Arbeit bei einem Schweizer Unternehmen. Doch die Partei erlaubte ihr auch hier die Arbeit nur unter der Bedingung, dass sie die Firma für den Geheimdienst ausspioniere. Faten kündigte. Hilfe kam aber von einem Schweizer, mit dem sie sich während der Arbeit angefreundet hatte. Er fand, sie sei zu intelligent für dieses Land und bot ihr an, sie zu heiraten, damit sie ausreisen könne. Nach Ablauf seines Auslandeinsatzes kehrte ihr Ehemann in die Schweiz zurück.

Orientalische Foltermethoden

Da wurde aber eines Nachts ihr Bruder erneut verhaftet und verschwand. Bei der ersten Verhaftung musste er während seinen Verhören zuhören, wie im Nebenzimmer eine Frau vergewaltigt wurde, und man hatte ihm gesagt, es sei seine Schwester Faten. Darauf hatte er schliesslich seine Freunde verraten. Aus Scham darüber sprach er sein Leben lang kaum mehr ein Wort. Die Familie gab ihr zu verstehen, dass sie hier nicht nur unerwünscht, sondern jetzt buchstäblich eine Gefahr für alle geworden sei.

 

Individuelle Hilfe aus der Schweiz
Sie telefonierte mit ihrem Mann, der ihr Hilfe versprach und sie in die Schweiz einlud. So verliess sie fluchtartig jenes Land, wo sie nur Unterdrückung und Erpressung erfahren hatte, und sie trennte sich von ihrer Familie. Faten hatte nicht die geringste Vorstellung davon, was sie erwartete. Doch sie freute sich auf ihren schönen jungen Schweizermann, den sie inzwischen lieben gelernt hatte, den sie glücklich machen wollte und dem sie eine gute Ehefrau sein würde. (Fortsetzung folgt)

 


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