Handwerker in der Sozialhilfe-Bürokratie

Paul Ignaz Vogel

Ein handwerklich begabter Mensch und gesellschaftlicher Rebell zieht aus und ver­sucht sein Glück in der Fremde. Doch in Afrika kann er nicht dauernd seinen Lebens­unter­halt fristen und wird zur Rückkehr in die Heimat gezwungen. Hier  erwarten ihn die bü­rokratischen Schikanen einer willkürlichen Sozialhilfe.

Guillaume Duvanel (Pseudonym) sagt von sich, es gehe ihm grundsätzlich gut. Doch ge­sundheitlich leidet der 59-Jährige an einer chronischen Hepatitis C. Ein Bandscheibenvorfall im Nackenbereich und Arthrose in den Gelenken führen zu chronischen Schmerzen, die er mit der Einnahme von Schmerzmitteln bekämpft. Das sind grosse Handicaps bei der Arbeit heute. Zu einer IV-Rente reichen die Befunde dennoch nicht. 

Zwei begabte Hände

Guillaume scheint für das Handwerk geboren zu sein. Er ist sehr begabt im prakti­schen Tun. Wenn er etwas anfasst, bringt er es zum Gelingen. Mit zehn Jahren schon half er seinem Vater in des­sen Tischlerei. Auch war er zugegen, wenn sein Onkel  Schiffe baute und lernte so von klein auf das Handwerken mit Holz. Guillaume liebte diese Arbeit, doch sein Vater zwang ihn, eine Lehre als Elektro­fachmann aufzunehmen. Er sattelte dann ins technische Zeichnen um. Es folgte eine Migräne-Krise, er wurde freigestellt und hing schliesslich die Lehre an den Nagel. Als er 17-jährig war, stellte sein leibli­cher Vater den Antrag, den wider­spenstigen Sohn durch die Vormundschaftsbehörden als erwachsen zu erklären, weil er nicht mehr die Verantwortung für dessen Tun übernehmen wollte. Darauf reiste Guillaume nach Afghanistan und blieb dort ein halbes Jahr. In jene Zeit fällt die Infek­tion mit Hepatitis C. 

Nach Afrika ausgewandert

1975 fuhr er mit seiner ersten Frau per Autostopp via Spanien, Marokko und die Sahara in die Elfenbein­küste. Die beiden trugen beim Start der Reise Fr. 1‘200.- bei sich. Im  westafri­kanischen Auswan­derungsland betätigte sich Guillaume als Bauführer und wurde bald Chef von 60 Arbeitern. Dann besorgte er als selbständig Er­werbender Hauseinrichtungen, verlor viel Geld dabei und kehrte in die Schweiz zurück. Als Autodidakt prakti­zierte er hier den Be­ruf eines Bodenle­gers. Dann zog es ihn wiederum nach Afrika und er versuchte sein Glück mit einer Tourismus-Agentur in Kamerun. Anfänglich brachte diese Tätigkeit die erhofften Einkünfte. Mit dem In­ternet-Massentourismus als Konkurrenz sanken die Verkaufs-Chancen für dieses sehr indi­vidu­elle und auf Naturbeobachtung ausgerichtete Reiseangebot. Guillaume musste in die Schweiz zurück­kehren und sich beim Sozialdienst seiner Wohnsitz­gemein-de anmelden.

Mehr Bürokratie als Hilfe

Da Guillaume aufwändige Pflege wegen seiner chronischen Hepatitis braucht, möchte die Sozialhilfe Kosten sparen und empfiehlt ihm, mit seiner Freundin einen gemeinsamen Haus­halt zu führen. Diese muss sich wegen demselben Leiden behandeln lassen. Guillaume und seine Freundin werden vom So­zialamt zur schriftlichen Erklärung gezwungen, nicht als Paar zusammen zu leben. Denn dann wäre der Abrechnungsmodus für die Sozialhilfe ganz an­ders. Ein beachtliches bürokratisches Problem wird da sichtbar. Da die Zwischenverdienste schwanken, wird Guillaume aus der Sozialhilfe gekippt. Er erhält dabei widersprüchliche Briefe ohne Verordnungscharakter, Akte der reinen Willkür ohne Rechtsmittelbelehrung. Of­fenbar gibt es keine Rechtsstaatlichkeit in seiner Gemeinde und in seinem Kanton. Die Freundin kann sich ihren Lebensunterhalt bestreiten, da sie eine Witwen­rente bezieht. Doch um auf sie Druck auszuüben, wird ihr Fall dreimal von der kantonalen Aufsichtsbehörde revi­diert. 

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