Gesundheit für Sozialhilfeempfängerinnen

Hälfte / Moitié

Vor ungefähr einem Jahr wurden wir erwerbslose Frauen vom Kompetenzzentrum Arbeit Bern einzeln zu einem Interview von der Berner Fachhochschule für soziale Arbeit zum Thema Gesundheit eingeladen. Damals kannten wir uns noch nicht. Einige Monate später entstand aus der Befragung ein Workshop mit den Auswertungen, worauf eine Gruppenarbeit folgte.

Wir waren dazu eingeladen aktiv dabei zu helfen Gesundheitsprojekte ins Leben zu rufen. So ent­stand dann auch unsere Gruppe „Entspannung“ mit fünf Teilnehmerinnen. Wir sind verschieden und haben doch einiges gemeinsam: Wir leben aus unterschiedlichen Gründen von der Sozialhilfe, wir wollen etwas für unsere Gesundheit machen und wissen, wie es sich anfühlt, untendurch ge­hen zu müssen.

Von der Idee zur Realisierung

Nun waren wir gefordert. Fünf Frauen, die gemeinsam ein Projekt realisieren. Was genau wollen wir  anbieten? Wann und wo soll der Kurs stattfinden? Das waren Themen, die uns Woche um Woche beschäftigten. Es war eine sehr aktive, dynamische und kreative Zeit. Während das Projekt immer mehr Form annahm, konnten auch wir uns immer besser kennenlernen. Den Mut zu haben, sich und seine Ideen zu präsentieren, fällt einem unter Gleichgesinnten oft leichter. Wenn es ein­mal Meinungsverschiedenheiten gab, wurden diese offen diskutiert und geklärt. Ungefähr sechs Monate später war es soweit, der Flyer erstellt und einige bereits verteilt. Der Kurs kann starten! Wir haben es geschafft. Und gemeinsam treffen wir uns nun jeden Donnerstagabend, atmen ge­meinsam, machen verschiedene Übungen und entspannen uns immer mehr und mehr und es geht uns immer besser.

Was macht uns krank?

Wir wurden von einem Journalisten von Hälfte / Moitié während eines Interviews darüber befragt. Kurze Stille, dann sprudelte es nur so aus uns heraus. Wenn man, wie wir, krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte oder kann, hat man sich bereits sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Einige haben auch schon Therapien hinter sich. Uns ist es klar, dass ein Hauptgrund vieler Er­krankungen darin liegt, dass man aufgrund des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Drucks ver­sucht anders zu sein als man ist. Man beginnt sich und sein Wesen zu leugnen, was uns in der Seele schwächt. Der Versuch dazuzugehören, bringt uns dazu uns zu vernachlässigen. Sehr schnell werden die eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen und respektiert, und das lässt uns dann irgendwann aufschreien. Sei es physisch, psychisch oder seelisch.

Was macht uns wieder gesund?

Als erstes die Bewusstwerdung und Akzeptanz, dass etwas nicht stimmt, und dass wir sehr viel für unsere Gesundheit machen können. Wir Teilnehmerinnen der  Gruppe haben verschiedene Wege der Genesung ausprobiert. Sei es die Umstellung der Ernährung, zu lernen sich zu entspannen, zu meditieren, oder ob es der Weg zum Arzt und zu Medikamenten ist. Wichtig ist zu lernen, was das Passende im Moment ist. Welche Hilfe die richtige ist, und ob Selbstheilung möglich ist.

Kann die Gesellschaft auch etwas dazu beitragen?

JA! Auch die Gesellschaft kann viel tun. Immer vor Augen haben, dass es jeden treffen kann. Es können Massnahmen getroffen werden, wie dieses Gesundheitsprojekt, wo es um das Miteinander geht und die Prävention.  Bestehendes hinterfragen und neue Wege wagen, individuell auf den Einzelnen eingehen, auch der Bildungs- und Arbeitswelt. Sei es mit der Umgestaltung der Arbeits­plätze oder des Schulsystems. Alles kann und darf hinterfragt werden, um das Optimale zu finden – den Kontakt zu sich selbst intensiver pflegen sollte einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft erhalten.

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