Stimmen zur Hälfte / Moitié

Les canaux de l'information sont de plus en plus nombreux: journaux gratuits, internet, médias traditionnels nous abreuvent de nouvelles. Mais ils n'étanchent pas notre soif d'information, car ils puisent généralement aux mêmes sources. «La Moitié» est une source différente, elle parle de ceux et de celles qui sont rarement écoutés, elle leur donne la parole, rend compte des clivages sociaux et met en évidence les lacunes de la politique sociale. «La Moitié» est une voix ténue mais opiniâtre. Bilingue, elle a pour ambition, modeste et immense à la fois, de s'adresser à toutes celles et à tous ceux qui se soucient de la cohésion de notre société.

Ruth Dreifuss,ancienne Conseillère fédérale, Genève

«Jetzt heisst es betteln lernen» - so betitelt eine deutsche Wochenzeitung die Debatte über den Vorschlag, die Unterstützung Bedürftiger künftig nicht mehr aus Steuermitteln, sondern über freiwillige Spenden der Vermögenden zu finanzieren. Da kehrt die Moral zurück in ihrer ganzen Grausamkeit. Unterwürfig muss man sein, wenn man nicht verhungern will. Keinen schlechten Eindruck machen. Als «böse» gelten schon gar nicht, und die Vermögenden bestimmen, was gut und böse ist. Zurückversetzt ins Mittelalter frage ich mich, wie viele Jahre es dauern wird, bis wir wenigstens wieder bei jenen Vorstellungen von persönlicher Freiheit angelangt sein werden, die seit der französischen Revolution als selbstverständlich galten. Genau für diese Freiheit steht der Mediendienst «Hälfte»!

Gret Haller, alt Nationalratspräsidentin, Frankfurt am Main

 

Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, Armut - das sind keine Randerscheinungen unserer Gesellschaft, sondern es sind Fakten täglich vorhandener Ungerechtigkeit. Wir sind aufgerufen, etwas dagegen zu tun. Unterstützen wir den Mediendienst «Hälfte/Moitié», der diese Fakten aus der «Sicht von unten» aufzeigt.

Adolf Ogi, alt Bundesrat, Fraubrunnen

 

Wer sich mit Armut und Ausgrenzung beschäftigt, steht vor dem immer gleichen Problem: Die Betroffenen sind in der öffentlichen Diskussion kaum präsent und können ihre Anliegen deshalb nicht in den politischen Diskurs einbringen. Weil Armut oft mit schlechter Bildung, Krankheit, Demütigungen und sozialer Ausgrenzung verbunden ist, erstaunt es wenig, dass Armutsbetroffene im Dunkeln bleiben und an ihrer Stelle Nichtbetroffene die Diskussion über Armut und Ausgrenzung führen - manchmal anwaltschaftlich, manchmal aber auch unsachlich und polemisch. Der Mediendienst Hälfte/Moitié ist eine authentische Stimme der Betroffenen. Hier kommen Personen zu Wort, welche aus eigener Erfahrung über Ausgrenzung und Armut sprechen können und sprechen wollen. Das braucht Mut, fördert die sachliche Auseinandersetzung und ist wichtig für die Stärkung und Weiterentwicklung des schweizerischen Sozialstaats. Der Mediendienst Hälfte/Moitié ist für mich als Praktiker der Sozialhilfe ein wichtiger Indikator dafür, wie die Unterstützungsangebote der öffentlichen Hand von den direkt Betroffenen beurteilt werden.

Felix Wolffers, Leiter Sozialamt der Stadt Bern, Bern

 

In den gängigen Medien wird gesellschaftliches Konfliktpotenzial populistisch breitgeschlagen. Demagogisch werden in der Bevölkerung Ängste geschürt und mit Missbrauchstheorien ganze Bevölkerungsgruppen verleumdet. Soziale Grundrechte werden fundamental in Frage gestellt. Die Gesellschaft droht auseinander zu driften. Tatsächlich nehmen jedoch die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen zu. Ebenso schwächen die Ausgrenzungspolitik und der Sozialabbau den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit für alle Menschen ein Leben in Sicherheit und Würde möglich wird, ist die Gesellschaft auf solidarisches Denken und Handeln angewiesen. Viele engagieren sich im beruflichen und privaten Umfeld, beteiligen sich an gesellschaftlichen und politischen Prozessen und suchen nach Lösungen gesellschaftlicher Probleme. Diese Arbeit findet oft in kleinem Kreis und fernab von der breiten Öffentlichkeit statt. Wirksame Armutsbekämpfung bedingt die Kenntnis und Koordination der Anstrengungen. «Hälfte / Moitié» vernetzt diese Bemühungen, übermittelt Informationen zwischen den verschiedenen Akteuren und trägt damit zu einer wirkungsvolleren und zielgerichteten Sozialpolitik bei.

Christine Brassel, Geschäftsleiterin Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH Bern

 

Als Thilo Sarrazin noch kein weit herum bekannter Pamphletist, sondern schlicht Berliner Finanzsenator war, rechnete er den Sozialhilfeempfängern seiner Stadt (Armutsprojekt Hartz IV) öffentlich vor, dass man sich mit knapp fünf Euro pro Tag, das waren damals umgerechnet noch circa sieben Franken sechzig, vollwertig ernähren kann, samt detailliertem Speiseplan. Ich bin überzeugt, Genosse Sarrazin, ein gewissenhafter Mann, Sozialdemokrat immerhin (wenn auch nicht mehr ganz unangefochten mittlerweil), hat’s ausprobiert. Mit der Einkaufsliste in der Hand, mutmasslich bei Aldi. Einmal, vielleicht zweimal, vielleicht sogar eine ganze Woche lang; damit er weiss, wie man sich bei der Diät fühlt. Armut aber ist keine Kur, sondern eine Notlage. Um zu wissen, wie sich jemand fühlt, der sich jeden Cent oder Rappen vom Mund absparen und erst noch darüber Rechenschaft ablegen muss, muss man die Geschichten derer hören, die so leben müssen. Hätte der Ex-Senator & Bundesbanker a.D. je zugehört, statt seinen Zuhörern Milchmädchen-Rechnungen um die Ohren zu schlagen, wüsste er zumindest, was öffentliche Demütigung heisst. 

Soziale Not hat viele Gesichter, viele Geschichten, jede Geschichte ist eine Erzählung für sich. In der Verbindung der Geschichten mit der Analyse der politischen Gründe (und der möglichen Alternativmodelle) entsteht allmählich ein gesellschaftliches Gegenbild gegen die Verlautbarungen der Bankgesellschaft hier und dort. Durch die Vermittlung dieser Gegeninformationen, in einem wachsenden Netzwerk von Betroffenen, Theoretikern, Medienleuten, entsteht ein differenzierter Text wider Schlagzeilen und Schlagworte: den auf die Dauer auch die andere Hälfte der potentiellen Leserschaft nicht ignorieren kann. Darum braucht’s die „Hälfte / Moitié“. 

Christoph Geiser, Autor