Den Menschen ein Gesicht geben

Katharina Achermann

Der Fotograf Peter Eichenberger stellt seine Portrait-Aufnahmen von Teilneh­menden des Integrationspro­jektes La CULTina bis zum 1. Juni 2012 im Schul­restaurant in Bern vor.

Die Fotoreportage vermittelt einen persönlichen Blick hinter die Kulissen und fokus­siert auf die Kursteilnehmenden und Lehrlinge, die aus Krisengebieten der ganzen Welt kommen, aus Äthiopien, Eritrea, Somalia, Afghanistan und Tibet. Es sind vorläu­fig aufgenommene Flüchtlinge, die in der Küche und am Buffet arbeiten.

Der Fotograf hat die jungen Leute bei ihrer Arbeit begleitet. Sie blicken ernsthaft, in sauberer Ar­beitskleidung, auf grossformatigen schwarz-weiss Fotografien auf die Be­sucher. Die Arbeiten, alles Portraits, hängen mehrheitlich an den grossen Scheiben des hellen Schulrestaurants, einige im Buffetbereich, andere im Treppengang, der zum Selbst­bedienungsrestaurant hinaufführt. Die Fotos sind eindrücklich, charakte­ristisch, zei­gen Menschenkenntnis, sind nie voyeuristisch oder aufdringlich.

Der Foto­graf wollte den fremden Menschen, die hier eine Ausbildung absolvieren, ein Gesicht geben, mit seinem Projekt gegen Vorurteile angehen, wie sie in politischen Diskussi­onen über Ausländerpolitik oft geäussert werden.

Integrationsprojekt für Menschen aus Krisengebieten

Das Berner Schulrestaurant la CULTina besteht schon seit 1999 und bietet im Rah­men eines Integrationsprojektes vorläufig Aufgenommenen eine Erstausbildung, wo diese Wesentliches über Küche, Ernährung, Service und Hygiene erfahren.

Die Schulungsleiterin, Martina Wolf, unterrichtet auch Deutsch und Allgemeinbildung, vermittelt schweizerische Gepflogenheiten im Berufsalltag. Die Schulung dauert ein halbes Jahr und wird mit einem Diplom oder Attest und einem Arbeitszeugnis abge­schlossen. Zurzeit arbeiten 15 vorläufig Aufgenommene im Schulungsprogramm und auch zwei Lehrlinge im Betrieb. Die Ausbildung mit Diplom im Gastronomiebereich sollte den jungen Leuten eine Integration im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft hier erleichtern, könnte aber auch bei einer Rückkehr zu einer Starthilfe werden.

Im la CULTina wird hart gearbeitet, professionell und am Markt orientiert. Am Mittag müs­sen mehr als hundert Menüs bereitstehen. Täglich gibt es fünf verschiedene Me­nüs aus der Vielfalt aller Länder. Der Schulungsbetrieb wächst, und die Ausbildung wie das kulinarische Angebot werden laufend verbessert und angepasst.

Würzige Vielfalt

La CULTina wirbt mit „Grüsse aus der Küche dieser Welt“. Dank der Vielfalt der kuli­narischen und kulturellen Herkunft der Köchinnen und Köche entsteht in dieser Schulküche auch eine ausserordentliche „Vielfalt der Geschmacksnuancen“ und eine grosse Varietät an Speisen. Die Projektverantwortlichen sind der Überzeugung, dass kulturelle Vielfalt nicht nur unsere Speisekarten, sondern auch unsere Gesellschaft bereichern kann.

 

La CULTina Schulrestaurant

Seftigenstrasse 1, 3007 Bern

Montag bis Freitag 7.30- 17Uhr
Foto-Ausstellung bis zum 1. Juni 2012

                                                                                                         

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