Das Verlassen der Muttersprache und des Vaterlandes

Ariane Lugeon

oder die persönliche Abrechnung / Schlussrechnung mit der Heimat

 

Ich verlasse die Muttersprache und das Vaterland.

Ich hab mich nie (40jahre) wohl gefühlt in diesem sogenannten Wohlfühlsland.

Ich empfand mich immer fremd im Heidiland.

Die berühmten Schweizerberge waren für mich eher berüchtigt. Beengend, beklemmend nicht über den Horizont sehend.

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Als Kind ging ich gerne in den Bergen Ski fahren, später versuchte ich beim Wandern mit den Bergen Freundschaft zu schliessen. Es ist mir nicht gelungen, über Stock und Stein, es kam mir immer vor wie bei Sisyphus. Man kann nur mit enormer AnstrENGung den Weitblick erhaschen.

Erzählt man dann im Tal oder in der Schweizer Stadt von der Weitsicht, bekommt man die neutrale Antwort: “Oh das ist schön“, aber man wird sofort als bedrohlich eingestuft, etwas gesehen zu haben.

Ich frage mich ernstHaft, warum es Vaterland und Muttersprache heisst?

Wäre es nicht korrekt, oder schweizerisch kleinkariert, wenn es Mutterland und Vatersprache heissen würde?

Die Mutter Erde sollte doch Boden und Nahrung geben. Demeter oder Muttermilch würde dies bejahen. Und der Vater hat ja doch schlussendlich noch immer das letzte Wort. Auch in der Politik sind mehrheitlich Männer am schwaAFFeln. Also der (Vater)Staat ist männlich bestimmt, ORGANisiert, strukturiert, systematisiert.

Das Schweizer System vermittelt noch immer einer durchschnittlichen Familie, dass einer zu hause bleiben soll. Wenn die Kinder am Mittag nach hause kommen um ihren realen Hunger nach dem Wissensdurst zu stillen. Meist ist das die Frau, die Haus und Hof bewacht. Die Frau verdient weniger Geld in der Schweiz, auch wenn sie die selbe Arbeit leistet wie der Mann. Und weil die Frau zu hause ist, kann sie auch gleich die Wäsche waschen, natürlich nur an ihrem Waschtag nach Plan, ja das ist erwünscht und erlaubt.

Aber wenn die Hausfrau im Vaterland beginnt Geld zu waschen, was ja für einen gleichberechtigte Lohnzahlung nötig ist, dann würde die Toleranzgrenze massiv überschritten werden.

Die Frau Mutter kann sich natürlich auch verweigern ihre Kinder zu füttern und den sauberen Haushalt zu führen. Umgangssprachlich nennt man sie dann Rabenmutter, oder sie hat sonst einen Vogel. Die Frau kann heutig ihrer gewählten, geliebten Arbeit nachgehen um mit dem weniger verdienten Geld die Kinderkrippe, die Tagesschule und die illegale ausländische Putzfrau sans Papier zu finanzieren.

Die Schweiz ist ein verlogenes 3.Weltland, unterentwickelt auf jeden Fall. Entwicklung fordert Mut, die Schweizer lieben aber ihre altbewährte Sicherheit. Diese Sicherheit wird verteidigt um jeden und keinen Preis, die ist nicht käuflich und auch nicht waschbar.

Lieber Stillstand und sich über Ausländer und schlechtes Wetter beklagen, als der Veränderung eine Chance zu geben. Man verpasst die Chancen trotz der Pünktlichkeit, weil es könnte unbequem werden in einer Veränderung. Und wohin führt das? Ins nirgends, oder einfach nur anders. Ev. sogar schöner, oder leichter; was für eine Bedrohung!

Bedingungsloses Grundeinkommen ein wahres Wunder! Aber wer arbeitet dann noch seine 42 Std.? Wo bleibt dann das Pflichtgefühl, die Moral, das Fleissige? Liebe Schweizer und Blickleser im besonderen, nach der Pflicht kommt die Kür, dass ist nicht nur im Eiskunstlaufen so. Es mag am Anfang willKürlich klingen, aber das Leben hat auch noch andere wichtige Seiten, als die bezahlte Arbeit. Und ein Stündchen mehr Zeit zu haben um mit dem Nachbar mal ein tieferes Gespräch zu führen, steigert die Lebensqualität enorm!

Die Schweiz ist kleingeistig und neutral. Neutral ist schwach, man sollte Stellung beziehen und sich nicht wie 7 Zwerge hinter den (Akten)Berge verstecken. Man sollte die Blätter vom Mund wischen, oder gäbe das einen katastrophalen Herbststurm ?

Die Weltoffenheit finden wir in den Banken(z.b. UBS), wie auch die Verlogenheit. Die Sprach Vielfältigkeit könnte dazu dienen, weltoffen zu sein. Aber in der kleinen Welt der Schweiz führt dies dazu, dass sich die 8 Millionen Schweizer Menschen auf 41'285 km2 untereinander nicht verstehen. Man baut hohe Gartenzäune um Ruhe und Ordnung zu bewahren. Man schimpft über die Ausländer die nicht mal Deutsch können wie ein Spatz. Wobei der Afrikaner in Zürich perfekt französisch spricht und der Deutsche im Tessin auch gehobenes Deutsch an den Tag legt.

Wenn meine Mutter ausnahmsweise mal zu fluchen pflegte, sagte sie immer: “Heimatland!“

Ich habe diesen unbewussten Ausruf nie verstanden. Und das Heimatland Schweiz konnte mir nie das Gefühl des Willkommen sein geben, meine Mutter übrigens auch nicht.

Ich habe dich verlassen Mutterland und Vatersprache und Vaterstaat ist wohl eher ein Grossvaterstaat geworden. Den Sparschäler wurde mir nachgeschickt. Ein Designobjekt auf das ich nicht verzichten möchte. Bestimmt werde ich ab und zu beim Kartoffeln schälen an die Sparsamkeit und den Geiz des Schweizer Volkes nach denken.

In dem Sinne: Adieu, mother fucking father land -Ciao ciao

ev.a.müller

(Pseudonym)

                       

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