Für die ärmliche Landbevölkerung

Paul Ignaz Vogel

In benachteiligten ländlichen Regionen hat der bescheidene und ererbte Liegen­schaftsbesitz von armseligen Leuten einen ganz anderen sozi­alen Stellenwert als der Lie­genschafts­besitz in städti­schen Ag­glomerationen. Kleine selbst bewohnte Häuser und ihr Um­schwung gehö­ren auf dem Lande seit Ge­nerationen in die Erbfolge einer Familie.

Es ist undenkbar, dass in dieser festgefügten Tradition jemand das Genera­tionen-Gut egoistisch versil­bert und die Genera­tionenfolge zerbricht. Und den Kin­dern und Kin­deskindern mut­willig rein nichts hinterlässt, sie faktisch zu Lebzeiten enterbt, da das Familiengut für die Rettung eines Einzelmitgliedes in der Generatio­nenkette verscherbelt werden musste. Das wäre, nebst Egoismus, soziale Exklu­sion.

In städtischen Gebieten und reichen ländlichen Tourismuszentren hingegen gilt Lie­gen­schaftsbesitz per se als Reichtum, der von Financiers und Neureichen zur Plat­zierung von erspe­kuliertem Finanzkapital er­worben wurde. Für Benachtei­ligte in der Landbevöl­ke­rung bedeuten je­doch eigener Grund und Boden mit einem selbst be­wohnten Häuschen meist bloss ein nomi­nelles Gut­haben in der Steuerdeklaration.

Die eidgenössische Volksinitiative für eine Erbschaftssteuerreform möchte nun Er­träge aus einer neuen nati­ona­len Erbschaftsgesetzgebung abschöpfen und zu zwei Dritteln in die AHV-Kasse flies­sen lassen. Aufhorchen lassen nicht nur die zusätzli­chen Mittel für den sozialen Ausgleich zwischen Reich und Arm, sondern auch die rea­listische und grosszügige Frei­grenze von 2 Millionen Fran­ken für Liegenschaftsbe­sitz. Sie könnte Norm auch wer­den für eine Revision des AHV-Gesetzes mit einer analogen Hinaufsetzung der Frei­grenze im ererbten Liegenschaftsbesitz für den Bezug von Ergänzungsleistungen (EL).

Nicht nur verarmte landwirtschaftlich Selbständigerwerbende könnten so vermehrt vom Sozialstaat profitieren, sondern auch die zahlreichen kleinen Leute in Industrie-Lohnarbeit, die im geerbten Häuschen ihrer Eltern wohnen. Oder die sich während ihrer Erwerbszeit eine solche bescheidene Bleibe mit Alterssparen erworben haben. Die sogenannten „Rucksackbauern“, die morgens oder abends im Stall stehen, an­sonsten immer in der Fabrik in Schicht arbeiten, und deren Angehörige den Rest des landwirtschaftlichen Alltagsbetriebes besorgen. Gross-Familien, die sich lebenslang und pausenlos abrackerten und die es materiell nie auf einen grünen Zweig gebracht haben.

Die eidgenössische Volksinitiative für eine Erbschaftssteuerreform schlägt vor: “Gehören Unternehmen oder Landwirtschaftsbetriebe zum Nachlass oder zur Schenkung und werden sie von den Erben, Erbinnen oder Beschenkten mindestens zehn Jahre weitergeführt, so gelten für die Besteuerung besondere Ermässigungen, damit ihr Weiterbestand nicht gefährdet wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.”

Die Initiative könnte somit Soli­darität zwischen reicheren und allen ärmeren AHV-BezügerInnen herstellen.

 
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Berner Altstadt

 

Emil Schneuwly

 

Den Traum nicht ausgeträumt von der guten alten Stadt.

Eine Fügung ist es, diese mit dir zu queren.

Wir hocken auf der Parkbank und gehen über Brücken,

wir schlendern in den Gassen auf und ab.

 

Wir gehen Arm in Arm, mal locker und mal strenger.

Es drängt uns zu schieben ins Bistro dort am Eck.

Die Welt zu verstehen, im Stillen und Kleinen

kann unser Ziel nicht sein, es ist ein Reden.

 

Tauche ein in die Fantasie des andern

bei einem Glas Wein fabulierend.

So lass uns nicht verzagen in Gedanken

heiss zu durchwandern was unsere Wünsche sind.

 

Zwischen den Häusern neigt sich der Tag.

Ein Schleifen rauscht und Beine hin und her.

Denke: Schön wieder in Bern zu sein,

in der verlockenden guten alten Stadt. Bei dir.

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