Wie weiter mit dem Mediendienst Hälfte/Moitié?

Marco Danesi

Der Mediendienst Hälfte / Moitié steht gemeinsam mit dem Verein für soziale Gerechtigkeit (Trägerschaft) vor wichtigen Entscheiden. Altershalber soll der Mediendienst umstrukturiert und erneuert werden. Dies erfordert Umsicht und Fingerspitzengefühl lebt doch der Newsletter und seine Webseite sehr stark vom Engagement seiner Gründer und Redaktoren. Hier das Fazit unserer Leserschaftsumfrage: 

Der Trägerverein des Mediendienstes Hälfte/Moitié hat im Jahr 2014 personell sei­nen Vorstand erweitert mit dem Ziel, die Vereinsorganisation zu überdenken und die Zukunft des Mediendienstes zu planen. Im Vorstand stellte sich deshalb die Frage, was wohl der Blickwinkel der Leserschaft sein könnte und unter welchen Umständen eine Weiterführung des heutigen Angebotes Sinn macht. Mittels einer Online-Um­frage wurden im November 2014 die wichtigsten Fragen an die Leserschaft gestellt. Nachfolgend möchten wir Sie über die Ergebnisse informieren.

Auf den Aufruf zur Umfrage sind 101 Beantwortungen eingegangen, davon 55% von Vereinsmitgliedern. Die demographische Verteilung der Geschlechter ist ungefähr ausgeglichen, 70% sind berufstätig, altersmässig haben vor allem Personen ab 40 Jahren die Umfrage beantwortet. Allen gemeinsam ist, dass die Arbeit des Medien­dienstes überaus geschätzt wird und der Dienst - gemäss diesen Rückmeldungen - unbedingt weitergeführt werden soll. Es scheint sich um Nischeninformationen zu handeln, die in den herkömmlichen Medien kaum veröffentlicht werden und als wich-ti­gen Kontrast innerhalb der Medienlandschaft angesehen werden. Nachstehend führen wir jeweils eine Auswahl verschiedener Antworten aus der Umfrage auf.

Frage: 

Was gefällt Ihnen am Newsletter Hälfte / Moitié? 

Antworten aus der Leserschaftsumfrage:

Kritische Berichterstattung, kein Mainstream.

Vielfalt der Berichterstattung / persönliche Betroffenheit.

Infos, die nicht in den Medien erwähnt werden.

Dass er eindeutig Stellung bezieht und er sich einsetzt für diejenigen, welche keine Stimme haben, bzw. die andere Seite der Medaille beleuchtet.

Engagement der Herausgeber.

Über Armut muss gesprochen und geschrieben werden, damit sie auch in der Schweiz als Thema behandelt wird, eine Sensibilisierung stattfinden kann. Dabei leis­tet die Hälfte/Moitié einen wichtigen Beitrag.

Die Erfahrungsberichte von Armutsbetroffenen. Die Einschätzungen politischer Ent­scheidungen aus der Sicht von unten.

Interessante Artikel, die in den Alltagsmedien fehlen.

Interessante Themenwahl mit politischer Aktualität verknüpft und aus einem anderen Blickwinkel. Frequenz nicht allzu häufig.

Dass es eine Plattform gibt, die nicht mit den Wölfen heult.

Die zum grossen Teil kritischen und erklärenden Artikel zum sozialpolitischen Gesche­hen in der Schweiz.

Er ist klar positioniert als Interessenvertretung von Armutsbetroffenen. 

Drei Viertel der Leserschaft liest den Newsletter regelmässig bis sehr aufmerksam. Der Mix im Redaktionsteam wird als positiv erwähnt; die Medieninhalte sollen weiter­hin monatlich oder alle 14 Tage über den Newsletter, das Web wie auch in einer klei­nen Auflage gedruckt verbreitet werden. Die zusätzliche Verbreitung über die Social Media Kanäle facebook, twitter und google+ sind sehr erwünscht. 

Inhaltlich werden aktuelle und politische Themen zur Armut in der Schweiz, zur Ar­mut in verschiedenen Lebensphasen, zur Umverteilung von Einkommen wie auch persönliche Stellungnahmen und Portraits von Betroffenen gewünscht. Dabei wünscht man sich erfolgversprechende Lösungsansätze und konstruktive Vorschläge für die Selbsthilfe aus Sicht der Armutsbetroffenen. Die Inhalte sollen einerseits gut recherchiert, aber auch kurz und prägnant sein und die Politik und die Öffentlichkeit einbeziehen. Die Inhalte dürfen durchaus kritisch sein und die öffentliche Diskussion beleben. 

Frage: 

Welche Themen müssten im Hälfte / Moitié - Newsletter stärkere Beachtung finden? 

Antworten aus der Leserschaftsumfrage:

Verknüpfung der verschiedenen Angebote für Armutsbetroffene.

Bäuerliche, insbesondere bergbäuerliche Verhältnisse und die Situation vieler Kleinun­ternehmer.

Zukunftsorientierte Lösungen.

Wie kann die Armut besser bekämpft werden? Was können Armutsbetroffene und Armutsgefährdete zur Vermeidung ihrer Armut beitragen? Kann es so etwas wie "selbstverschuldete Armut" geben, oder ist das per se unmöglich? Berichte über Perso­nen, die sich aus der Armut befreit haben. Berichte über das Zusammenspiel von Solidarität und Eigenverantwortung (jeder soll soviel haben wie er braucht UND soviel leisten wie er kann).

Medienkonsum von Armutsbetroffenen, wie lesen / erhalten Armutsbetroffene Informa­tionen? Welchen Zugang zu welchen Mediengattungen haben Armutsbe­troffene? 

Frage: 

Was wünschen Sie sich in Zukunft vom Mediendienst Hälfte / Moitié? 

Antworten aus der Leserschaftsumfrage: 

Ich hoffe, dass Sie weitermachen können wie bisher!

Gelingende Geschäftsübergabe an die nächste Generation!

Dass es auch LeserInnen erreicht, welche nicht bereits für von Armut betroffene Men­schen arbeiten, zB. potenzielle ArbeitgeberInnen um sie für Einstellungen betroffe­ner Menschen zu sensibilisieren und den 0815 Bürger, damit das Bild der Sozialhilfe wieder relativiert wird.

Dass die klare politische Linie beibehalten wird. Mehr Berichte, News statt längere Geschichten, die Hälfte/Moitié sollte rasch gelesen werden können.

Die gedruckte Form wäre gerade für Besitzlose eine gute Sache. Die Verständlich­keit der Texte könnte für diese Menschen, die oft von Bildung ausgeschlossen wur­den und werden, verbessert werden.

Danke für das Engagement und viel Erfolg bei der Zukunftsplanung.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Reorganisation.

Herzlichen Dank an das Redaktionsteam für die vielen freiwilligen Arbeitsstunden und das viele Herzblut. 

Ansätze zu einem neuen Finanzierungsmodell

Die Finanzierung des Mediendienstes ist für den Vorstand des Vereins zur Zeit noch eine Knacknuss – seitens der Vereinsmitglieder und Leserschaft wird zwar ein Mitglie­der-Beitrag im Rahmen von Fr. 20 bis Fr. 100.-- durchaus befürwortet; aller­dings vermag dieser Beitrag die im Rahmen einer professionellen Redaktion geleiste­ten Arbeiten wohl nicht ganz zu decken. Gönnerbeiträge und Spenden sind für das Fortbestehen des Mediendienstes deshalb unerlässlich. 

Fazit der Umfrage 

Der Mediendienst Hälfte/Moitiè wird seitens der Leserschaft als unverzichtbare Bericht­erstattung verdankt und die Aufbauarbeit der Gründer wird sehr gewürdigt. Es braucht den Mediendienst Hälfte: heute – mehr denn je! 

Die gesamten Umfrageergebnisse sind abrufbar unter

http://www.haelfte.ch/tl_files/haelfte/umfrageergebnisse.pdf 

In Zukunft werden die personellen Ressourcen der Gründer nicht mehr vorhanden sein und es muss seitens des Vorstandes ein neues Geschäfts- und Finanzierungsmo­dell für den Mediendienst gefunden werden. Die seit Jahren professi­onell und mit Herzblut geleistete Arbeit der Gründer und des Vorstandes seien an dieser Stelle gewürdigt und herzlich verdankt.

Es ist nun die Herausforderung an die neue Generation im Verein und in der Redak­tion, sich mit Freude und Überzeugung für das Weiterbestehen des Mediendienstes zu engagieren.

Die vielen positiven und wertschätzenden Beiträge der Leserschaft geben all jenen, welche den Verein und den Mediendienst Hälfte/Moitié in die Zukunft führen möch­ten, einen stärkenden Rückhalt. Die Vertiefung grundsätzlicher Fragen wird zeigen, ob und in welcher Form das Angebot in Zukunft erscheinen soll. Wir danken allen, die bei der Beantwortung der Umfrage mit spannenden Inputs die Diskussion angestos­sen haben. 

Zur Person:

Barbara Beringer, Sozialarbeiterin FH, ist Gründerin und Geschäftsleiterin des Vereins sozialinfo.ch und  Vorstandsmitglied im Verein für soziale Gerechtigkeit. 

Siehe auch:

http://www.haelfte.ch/index.php/newsletter-reader/items/Leserschaftsumfrage.html

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