Antwort an Gabriela Merlini

Ariane Lugeon

(Red) Im Newsletter Hälfte/Moitié vom 12. Mai 2014 beschrieb Gabriela Merlini ihr Schicksal in der stetigen Ausgrenzung durch das Zwangsmassnahmen-System der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Siehe: http://haelfte.ch/index.php/newsletter-reader/items/Aushalten.html

Nun liegt eine Antwort von Ariane Lugeon vor:

liebe gabriela merlini 

ich bin eine verbündete und ihre wertvollen zeilen tun mir gut, obschon ich die situa­tion schrecklich finde. 

ich wurde 1974 geboren und nach einer kurzen 9 monatigen kinderheimkarriere gut­bürger­lich adoptiert. 

ob es ein glück oder unglück war gutbürgerlich aufzuwachsen weiss ich nicht, oder will ich nicht werten. 

ich fühlte mich jedoch immer fremd in der familie wie in der schweiz, jetzt bin ich letztes jahr ausgewandert in die EU und ich fühl mich natürlich auch hier fremd. aber diese fremdheit scheint mir angenehmer zu sein. 

in den keller des bundeshauses würden mich keine 10 pferde bringen. und nach 10 minuten um den heissen brei reden würde mir schwindlig.

ich habe mich auch bei der opferhilfe gemeldet.... sie schreiben mir jetzt ab und zu ein paar vertröstende emails, auch hier wird die geduld erwartet.

ich bin künstlerin und sticke wahnsinnig viel, also ich kenn den geduldsfaden. wenn er reisst ist nicht gut, wenn man ihn abschneidet ist es besser, wenn man ihn aufwi­ckelt sieht es or­dentlich aus, wenn man ihn entwickelt dann ist es eine echte chance. 

ich nehme es den politikerInnen übel, dass sie über aufarbeitung sprechen und sich damit voral­lem reflektiert  zeigen wollen und wichtig machen.

und was schnelle unkomplizierte entschädigung heisst für schweizerInnen, versteh ich auch nicht. 4000.-- erscheinen mir eher als schweigegeld oder als ein pflaster für den mund. scheinheilig. 

wären wir in der usa, hätten wir DEN anwalt, der den staat, die heime etc. auf milllio­nen  ver­klagen würde.

wir können nur hoffen, das wir eine rosine vom lottogewinn bekommen. und sollte uns dann wohl auch als gewinnerInnen fühlen. 

also ich sticke weiter mit dem geduldsfaden, aber nicht weil ich weiter geduldig sein will, sondern weil ich neues sticken will, weil ich mich auf meine art entwickeln will. 

fühlen sie sich wohl und frei in ihrem opel combo? schreiben sie was das zeugs hält!  direkt ohne blatt vor dem mund, blätter sind zum schreiben da.

die kreativität kann soviel bewegen, die kreativität ist stark und zerbrechlich, sie ist das zu hause dass wir uns geben können. 

ich wünsche ihnen viel mut & schreiblust! 

herzliche grüsse

aus dem norden

 

ariane lugeon

 

PS: neben dem keller vom bundeshaus ist auch der goldreservenkeller, und daraus sollte man für uns schöpfen! jedem opfer einen goldbarren in die hände gedrückt und ein satz wie: *du bist wertvoll *würde auch genügen. wir brauchen keine  weiteren politischen ansprachen / verwicklungen.

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