Armutsfalle Wohnen

sozialinfo.ch

Kantone müssten eine aktivere Wohnpolitik gegen Armut betreiben, fordert das Hilfswerk Caritas. Die Mehrheit der Kantone verschaffe armutsge­fährdeten Menschen keinen ausreichenden Zugang zu preisgünsti­gem Wohnraum. In einer nachhaltigen Armutspolitik sei Wohnen ein zentraler Baustein, heisst es zur Begründung im jüngsten Monitoringbericht. 

Es sei nicht aussergewöhnlich, dass der Staat die Bedürfnisse einzelner Gruppen aktiv fördere, erklärte Caritas-Direktor Hugo Fasel in Bern. "Bund und Kantone set­zen sich bereits heute für Menschen im Alter oder mit Behinderung ein."

Mit Basel-Stadt besitze nur ein einziger Kanton eine Wohnstrategie, in der Armut expli­zit ein Teil sei, kritisiert das Hilfswerk. Zehn Kantone hätten zwar den Zusammen­hang erkannt, seien aber noch weit von einer kantonalen Strategie ent­fernt.

Zehn weitere Kantone förderten höchstens den preisgünstigen Wohnbau und leiste­ten punktuelle Hilfe. Laut Caritas sind die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Obwalden, Schaffhausen und Uri im Bereich Wohnen und Armut gar nicht aktiv. 

Finanzausgleich für Armut 

In den letzten Monaten sei günstiger Wohnraum in einigen Gemeinden aber absicht­lich vernichtet worden, um Menschen in Armut fernzuhalten, kritisiert Fasel. Begüns­tigt werde das Hin- und Herschieben von benachteiligten Menschen zwischen Gemein­den durch kleinräumige Wohnpolitiken und den Steuerwettbewerb. Aus diesem Grund braucht es laut dem Hilfswerk kantonale Strategien, welche Armut und Wohnen langfristig angehen und verbindliche Ziele vorschreiben. 

Als denkbares Modell sieht Caritas-Direktor Fasel den Sozialausgleich zwischen den Gemeinden und Kantonen, wie ihn Kantone wie Bern und Freiburg bereits kennen. "Auch beim Finanzausgleich unterstützen reiche Kantone arme Kantone. Soll das für das Problem der Armut nicht gelten?", fragt Fasel.

( sda-ats, 25.11.2014 )

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