Umfrage zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE): Die Schweiz arbeitet weiter

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(Mitget.) Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) würden die Schweizerinnen und Schweizer ihre neu gewonnene Freiheit nutzen, um sich weiterzubilden, sich selbstständig zu machen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Dies zeigt eine erste repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts DemoSCOPE.

Im Rahmen einer telefonischen Mehrthemenbefragung wurden Ende November 2015 1076 Stimmberechtigte der Deutsch- und Westschweiz vom Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE befragt. Die Resultate der Umfrage zeigen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Schweizerinnen und Schweizer mit einem bedingungslosen Grundeinkommen aufhören würde zu arbeiten.

Das populäre Gegenargument, ein bedingungsloses Grundeinkommen setze falsche Anreize, wird fast gänzlich entkräftet: Nur 2% der Befragten würden aufhören zu arbeiten. Allerdings nehmen rund ein Drittel der Befragten an, dass die anderen die Arbeit niederlegen würden.  

Im Gegensatz dazu würden viele Menschen die neuen Möglichkeiten nutzen, sich durch Weiterbildung und Selbständigkeit für die zukünftige Arbeitswelt besser aufzustellen. Mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wäre ein positiver Effekt auf das Arbeitsleben und die gesamte Schweizer Volkswirtschaft zu erwarten. 

Arbeit und Freiwilligenarbeit

Nur 2% der Schweizerinnen und Schweizer schätzen sich so ein, dass sie mit einem bedingungslosen Grundeinkommen bestimmt aufhören würden zu arbeiten. Weitere 8% können sich das unter Umständen vorstellen.

Das Argument der Gegner, ein Grundeinkommen setze falsche Anreize, wird damit deutlich entkräftet. Insbesondere der Vorwurf, junge Menschen würden mit einem bedingungslosen Grundeinkommen die Leistungsorientierung verlieren, trifft nicht zu: Nur 3% der unter 35-Jährigen geben an, bestimmt nicht mehr arbeiten zu wollen.

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wollen sich insgesamt 40% der Schweizerinnen und Schweizer vermehrt für Freiwilligenarbeit einsetzen.

Bildung

54% aller Schweizerinnen und Schweizer wollen sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen gerne weiterbilden. Dies geben vor allem Frauen (56%), junge Menschen zwischen 18-34 Jahren (70%), Familien mit Kind (61%) und auch Menschen mit mittlerem oder tiefem Bildungsgrad an. Das bedingungslose Grundeinkommen unterstützt die Menschen, mit den rasanten Veränderungen im Arbeitsmarkt mitzuhalten. 

Familie

53% der Schweizerinnen und Schweizer wollen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen mehr Zeit mit der Familie verbringen. Damit wird die Aussage untermauert, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Familien stärkt. Besonders Menschen mit vergleichsweise niedrigen Einkommen (bis CHF 5000/Monat) begrüssen, mehr Zeit für die Familie zu haben (66%).

Unternehmertum und Eigeninitiative

Ein überraschendes Ergebnis ist, dass sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen 22% der Schweizerinnen und Schweizer selbstständig-erwerbend machen wollen. Die seit jeher innovative Schweiz würde mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für die Zukunft gestärkt.

Hinzu kommen 67%, die das Argument überzeugend finden, dass es mit einem bedingungslosen Grundeinkommen keine Existenzangst mehr geben würde. Diese für Eigeninitiative und selbstbestimmtes Handeln förderliche Voraussetzung wird gestärkt. 

Nachhaltiger Konsum

Ein positiver Nebeneffekt des bedingungslosen Grundeinkommens wäre, dass 35% der Menschen angeben, beim Konsum mehr auf nachhaltige Produkte zu achten. Bei jungen Menschen unter 35 Jahren sind dies sogar 50%.

Wird das bedingungslose Grundeinkommen Wirklichkeit? In der «Generation Y» (Menschen unter 35 Jahren), gehen 59% davon aus, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz in Zukunft eingeführt wird. 

Fazit

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen würden:

  • 2% der Befragten bestimmt aufhören wollen zu arbeiten.
  • 54% der Befragten sich weiterbilden.
  • 53% der Befragten sich mehr Zeit für die Familie nehmen.
  • 22% der Befragten sich selbstständig machen.
  • 35% der Befragten nachhaltiger konsumieren.
  • 59% der unter 35-Jährigen glauben, dass das Grundeinkommen irgendwann eingeführt wird.

***

In der Schweiz wird am 5. Juni 2016 über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt.

GRUNDEINKOMMEN. Medienmitteilung, 25. Januar 2016

http://www.grundeinkommen.ch/die-schweiz-arbeitet-weiter-erste-repraesentative-umfrage-zum-bedingungslosen-grundeinkommen/

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Zeit online / 29.12.2015:

Telekom-Chef Höttges für bedingungsloses Grundeinkommen 

Der Telekom-Chef erwartet durch die Digitalisierung weniger Arbeitsplätze. In der ZEIT fordert Höttges ein Grundeinkommen, finanziert durch Gewinne der Internetkonzerne. 

Angesichts der bevorstehenden grundlegenden Veränderungen von Gesellschaft und Arbeitswelt durch die digitale Revolution hat Telekom-Chef Timotheus Höttges "unkonventionelle Lösungen" zum Erhalt der Sozialsysteme gefordert. 

"Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine Grundlage sein, um ein menschenwürdiges Leben zu führen", sagte Höttges im Interview mit der ZEIT.

Es gehe um die Frage, wie ein faires System für eine Welt von morgen geschaffen werden könnte. Der Telekom-Chef erwartet im Zuge der weiteren Digitalisierung der Arbeitswelt einen Wegfall von Arbeitsplätzen: "Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens. (…) Es könnte eine Lösung sein – nicht heute, nicht morgen, aber in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat." 

Finanziert durch Gewinnsteuern der Internetkonzerne 

Finanziert werden könnte das Grundeinkommen durch die Besteuerung der Gewinne großer Internetkonzerne. "Wenn Produktivität zukünftig vor allem an Maschinen und die Auswertung von Daten gekoppelt ist, könnte die Besteuerung stärker auf den darauf beruhenden Gewinnen aufbauen und weniger auf der Einkommensteuer des Einzelnen", sagte Höttges. "Die Gewinnbesteuerung ist wahrscheinlich der richtige Weg." 

Eine Besteuerung von Daten erscheine ihm dagegen wenig praktikabel und die Besteuerung der Maschinen, die Produktivitätssteigerungen garantieren, würde dazu führen, dass vielleicht weniger Maschinen genutzt würden, als technisch sinnvoll wäre. Allerdings sei die Besteuerung großer Internetkonzerne heute schon ein Problem, "weil die ihre Plattformen irgendwo auf der Welt errichten". 

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens wird seit Jahren diskutiert: Jeder Bürger erhielte dann regelmäßig einen fixen Betrag – ohne Gegenleistung. Mehr als 50.000 Menschen unterschrieben eine Onlinepetition. In der Schweiz bekam eine ähnliche Volksinitiative mehr Stimmen als jedes andere Anliegen seit 1891, kommendes Jahr wird darüber abgestimmt. Die finnische Regierung hat bereits einen Modellversuch für ein Grundeinkommen beschlossen, das aber an Erwerbstätigkeit geknüpft sein soll. 

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/digitale-revolution-telekom-timotheus-hoettges-interview

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