Bessere Arbeitsbedingungen für Medienschaffende

Paul Ignaz Vogel

Ein Kommentar

Die Autorinnen der Jahrbücher „Qualität der Medien“ tragen mit ihrer regelmässigen Publikation zu mehr Qualitäts­bewusstsein bei. Diese unermüdliche Arbeit ist sehr wichtig, weil korrektes Informiert­sein der Menschen durch unabhängige Medien die Basis der Demokratie darstellt. Einige wenige Verleger stehen diesen Bemühungen positiv gegenüber, was erfreulich und durchaus lobenswert ist. Medienqualität ist demokrati­sches Sein.

Dabei hätte es die Verlegerschaft leicht, selbst eigene Korrektive gegen die Verslu­mung der Medien anzuwenden. Wer hingegen die Medien-Produktion nur als weite­res Feld der Gewinnoptimierung sieht, tut alles daran, um die Kosten zu sen­ken. An­statt eine strukturierte und kontinuierliche Herstellung von Printmedien, Radio- und TV-Sen­dungen und Online-News durch qualifizierte Berufsleute mit langjähriger Er­fah­rung anzustreben, verkommt so der jounalistische Beruf zu einem Gelegen­heits­job für junge Menschen, bei dem Löhne und Honorare unter jede zulässigen Grenze ge­drückt werden. Auch der interne Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsplatz wird hoch­sti­lisiert. Wem es nicht passt, der soll zur Konkurrenz gehen oder wieder ganz ausstei­gen aus dem Wir­ken für eine unabhän­gige Informationsvermittlung. Zum Beispiel in die satu­rierte, stets wachsende Welt der bezahlten Mei­nungsagentInnen von Public Re­lati­ons.

Seit August 2004 herrscht in der journalistischen Branche ein vertragsloser Zustand. Der Gesamtarbeitsvertrag wurde von der Verlegerschaft nicht mehr erneuert. Im Hochgefühl eines Hurra-Neoliberalismus wurden Bindungen und Verpflichtungen ge­genüber kollektiv gültigen Arbeitsbedingungen fallen gelassen. Deregulierung des Marktes war das magische Wort. Mit den katastro­pha­len Folgen, welche nun Jahr um Jahr im Forschungsbericht Öffentlichkeit und Ge­sellschaft der Universität Zürich er­fasst werden.

Wir beklagen den Qualitätsverlust in den Medien, den Mangel an Tradition und Know-How-Vermittlung in der Generatio­nenfolge der journalistischen Berufsaus­übung. Nicht nur die Grundausbil­dung wird immer schmäler, auch das Know-How sinkt. Dieses wird jedoch am besten gepflegt durch stabile und attraktive Arbeitsbe­dingungen. Der Ball liegt nun eindeutig bei der Verlegerschaft. Sie hat es in der Hand, unsere Demokratie in noch mehr Kommerz zu ertränken – oder eben die Ar­beitsbedingungen der Medienschaffenden nachhaltig zu verbessern. Und mit den Berufsverbänden kollektive Regelungen, sprich einen neuen Gesamtarbeitsvertrag abzuschliessen. Sozialpartnerschaft bedeutet Qualität.             

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