Beleidigung durch Bundespräsident Maurer

Hälfte / Moitié

Red./ Den UNO Holocaust-Gedenktag für die Opfer der Naziverbrechen, des „grössten Verbrechens der Menschheit“ (BILD.de 28. Ja­nuar 2013), hat Bun­despräsident Ueli Maurer im Rahmen eines halbseitigen stil- und lieblosen Tex­tes für eine beleidigende Aussage benützt.

Er schrieb: „Die Schweiz war in jener dunklen Epoche des europäischen Kontinents dank dem Einsatz einer ganzen Generation mutiger Frauen und Männer ein Land der Freiheit und des Rechts geblieben. Unser Volk hat damals trotz immensem Druck des Auslandes die Kraft gefunden, den eigenen, unabhängigen Weg fortzusetzen. So wurde die Schweiz für viele Bedrohte und Verfolgte zur rettenden Insel.“

Mitten im Weltenbrand war die mutige Schweiz ein unabhängiges Land der Freiheit und des Rechts und die rettende Insel für viele Verfolgte? Wie kommt es, dass nur gerade gut zehn Jahre nach der Veröffentlichung des Bergier-Berichts solche fal­schen und widerwärtig stolzen Worte wieder eine hohe Offizialität erhalten?

Indem der Bundespräsident diesen Gedenktag zu einem trüben Aufguss nationalisti­schen Gedankenguts missbraucht, schadet er dem Ansehen unseres Landes. Indem der von ihm beschworene Nationalismus einer der Beweggründe für das unfassbare Geschehen war, beleidigt er dessen Opfer.

____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Bundesrat war seit 1942 über Holocaust informiert

Swissinfo. Die offizielle Schweiz wusste im Zweiten Weltkrieg von den Mas­sentötungen in den Konzentrationslagern der Nazis. Bisher unveröffentlichte Dokumente zeigen: Der Bundesrat wurde bereits 1942 über die Verbrechen der Nazis in Kenntnis gesetzt.

Die "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens SRF präsentierte am 27. Januar 2013 die diplomatischen Dokumente. Schweizer Diplomaten verfassten während der Zeit des Zweiten Weltkriegs Hunderte Briefe, Telegramme und detaillierte Berichte.

Diese waren an den Bundesrat adressiert. Auch mit Fotos wurde der Bundesrat be­reits 1942 über die Verbrechen der Nazis in Kenntnis gesetzt. "Ab Mai 42 kann man nachweisen, dass die Ermordung von Juden, dass diese Information wirklich in Bern ankam", sagte Sascha Zala, Direktor Diplomatische Dokumente der Schweiz, im TV-Beitrag.

"In vermehrtem Masse Rückweisungen"

Diese bislang unveröffentlichten Dokumente waren bei Bundesrat von Steiger gelan­det, dem damaligen Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements.

Trotz der Rapporte seiner Diplomaten bestimmte der Bundesrat folgenden Erlass im August 1942: "...dass künftig also in vermehrtem Masse Rückweisungen von auslän­dischen Zivilflüchtlingen stattfinden müssen, auch wenn den davon betroffenen Aus­ländern daraus ernsthafte Nachteile (auch an Leib und Leben) erwachsen könnten".

"Parallel zur Entwicklung der internationalen Lage verschärfte die Schweiz ihre Flüchtlingspolitik", sagte Polithistoriker Zala. Diese Politik sei anfänglich eher in ei­nem Diskurs von Wirtschaftsflüchtlingen eingebettet gewesen und habe zunehmend eine Komponente eines Fremdendiskurses mit deutlich rassistischen Elementen ein­genommen.

Einige dieser diplomatischen Dokumente werden nun auch im Internet veröffentlicht.

( 27. Januar 2013, sda-ats )

_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Schweizer Juden bedauern unkritische Botschaft des Bundespräsidenten 

Swissinfo. Jüdische Organisationen in der Schweiz haben die Botschaft von Bundespräsident Ueli Maurer zum Gedenken an den Holocaust bedauert. Sie lasse die "Schwächen und Irrtümer" der Politik der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs ausser Acht, kritisieren sie.

Der Bundespräsident habe zwar zu Recht erwähnt, dass die Schweiz während des Krieges eine "Insel für viele Bedrohte und Verfolgte" geworden sei, teilten der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz am Montag mit.

Vergessen worden seien aber jene Flüchtlinge, die wegen der Haltung der Schweiz in den "sicheren Tod" abgeschoben worden seien, sowie die mutigen Fluchthelfer. Die Organisationen bedauern, dass der Bundespräsident heute die "notwendige" kritische Auseinandersetzung der Schweiz mit ihrer eigenen Vergangenheit unerwähnt lasse.

Bundespräsident Ueli Maurer hatte zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am Sonntag eine Botschaft veröffentlicht. Darin schreibt er, dass die Schweiz "in jener dunklen Epoche" ein Land der Freiheit und des Rechts geblieben sei. So sei das Land für viele Bedrohte und Verfolgte zur rettenden Insel geworden.

Bisher unveröffentlichte Dokumente zeigen indessen, dass der Bundesrat bereits 1942 über die Verbrechen der Nazis in Kenntnis gesetzt wurde. Die "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens SRF hatte am Sonntag die diplomatischen Dokumente präsentiert.

( sda-ats, 28. Januar 2013 )

Zurück


Unterstützen Sie den Mediendienst
Hälfte/Moitié mit einer Spende über PayPal:



Bitte teilen Sie unsere Artikel: