Digitale Anlaufstellen für Armutsbetroffene

Paul Ignaz Vogel

Nicht Teilhaben-Können am Wettbewerb bewirkt Ausgrenzung ins Abseits. Darum sind Grundkenntnisse im digitalen Bereich der Information und Kommunikation durchs Internet wichtig. Sie bilden eine Voraussetzung dafür, der Armut zu entkommen. Bis zum 24. Juni 2015 dauert eine Ausschreibung, mit der das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) die Internet-Situation für Armutsbetroffene verbessern möchte.

Viele Armutsbetroffenen sind aus ökonomi­schen oder aus bildungs­mässigen Gründen noch nicht NutzerInnen der digitalen In­formations- und Kommuni­kationsmöglichkeiten. Sie werden durch einen digitalen Graben von der übrigen Ge­sellschaft getrennt, somit von jeglichen Chancen ausgegrenzt. Wer bietet diese Chancen zum Lernen an? Ist es der Staat? Wer wäre in Pflicht, dies zu tun? Die Antwort ist lapidar und eigentlich befremdlich. 

Um es vorweg zu nehmen: In drei grossen deutschschweizer Städten sind durch Selbsthilfegruppen Internetcafés zur kostenlosen Nutzung und Ausbildung im Be­reich der digitalen Information und Kommunikation entstanden. Die drei Anlaufstellen sind einem wachsenden An­sturm ausgesetzt, denn der Bedarf an diesen kostenlo­sen Dienstleistung ist enorm. Das ist ganz bestimmt basisgerechter und wirkunsg­voller Ansatzpunkt zur Hebung der Internet-Bildung durch die Praxis. Learning by doing als ein weiterer Schritt im Kampf gegen die Ausgrenzung

Internetcafé Planet13 in Basel:

https://www.planet13.ch/

Internetcafé Power-Point in Bern:

http://www.kabba.ch/internetcafe-powerpoint/

Internetcafé Kafi Klick in Zürich:

http://www.kafiklick.ch/

Es stellt sich daher die Frage, ob zuerst das Huhn war oder das Ei. Und ob ein An­gebot für ein Inventar von Anlaufstellen für Armutsbetroffene, die des „digitalen Lesens und Schreibens“ noch nicht mächtig sind, überhaupt ziel­führend sein kann. Schaden könnte jedoch ein solches zusätzliches Angebot sicher nicht für jene, welche bereits im Internet surfen können.

Ausschreibung bis zum 24. Juni 2015

Das Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Sozial­versi­cherungen BSV, Familie, Generationen und Gesellschaft schreibt für das Natio­nale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut in der Schweiz eine  „Be­standesaufnahme Informations- und Beratungsangebote“ aus. 

So teilt das EDI mit:

„Untersucht werden physische und Online-Angebote sowie Selbsthilfe­gruppen. Die Erkenntnisse sollen dem Programm zur Prävention und Be­kämpfung von Armut in der Schweiz Grundlagen für den Aufbau einer Informations­plattform liefern. 

Armutsbetroffene Menschen sollen einen einfachen Zugang zu Informationen, Bera­tungsstellen, Online-Plattformen und Selbsthilfegruppen erhalten, indem sie Informa­tionen adressatengerecht auf einer Informationsplattform abrufen können. In der Be­standsaufnahme werden Beratungsstellen, Online-Plattformen, Online-Beratungsan­gebote und Selbsthilfegruppen beschrieben, welche armutsbe­troffene Menschen mittels Informationen unterstützen, ihre Lebensbedingungen zu ver­ändern und zu verbessern. 

Folgende Fragestellungen sollen im Rahmen der Bestandsaufnahme beant­wortet werden: Welche digitalen Informations- und Beratungsangebote gibt es? Welche Be­ratungsstellen und Selbsthilfegruppen gibt es? Wie  können  diese  Informationen  auf  einer Online-Plattform  in geeigneter  Form strukturiert werden? Auf welchen Online-Plattformen finden armutsbetroffene Menschen Informationen über Beratungsstellen in ihrer Nähe und zu welchen Themen gibt es Online-Beratun­gen (Online- Beratungsguichet) durch Fachpersonen?“

http://www.bsv.admin.ch/praxis/forschung/00105/index.html?lang=de

Lesen und Schreiben als primäre Wissenskommunikation

Wer den Armutsbetroffenen helfen will, ihr kulturelles Bildungskapital zu äufnen, sollte mitunter auch ganz unten beginnen: Bei den erwach­senen Personen, die über­haupt nicht oder nur schlecht des Lesens und Schreibens kundig sind. In der Schweiz können fast eine Million Menschen schlecht oder überhaupt nicht lesen und/oder schreiben.  Der Zusammenhang zwischen der Gruppe von quasi AnaIphabetInnen und die Millionen von Armutsbetroffenen wäre eine Untersuchung wert. Bildungsarmut und ökonomische Armut gehen Hand in Hand. Sie zu beheben gehört auch zu den Prioritä­ten im Kampf gegen die Ausgrenzung der Benachteiligten und Armutsbetroffenen. 

Siehe auch: Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben

http://www.lesenschreiben.ch/

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