Entlarvt endlich die Chaoten

Oswald Sigg

Ein Kommentar zur Redefreiheit am 1. Mai

Der 1. Mai in Zürich ist für den neuen grünen Zürcher Polizeivorstand Daniel Leupi (NZZ 29.4.2011) einerseits geprägt durch den „Revolutionären Aufbau“, durch Randalierer, sogenannte Linksextreme und den „SchwarzenBlock“: das sind in seinem amtlichen Jargon einfach die „Chaoten“. Anderseits gibt es da noch Andere, die beim Polizeieinsatz am 1. Mai eine Rolle spielen: das sind gemäss Leupi die „Gaffer“. Vermutlich meint er damit die übrigen Demonstrations- und Festteilnehmenden, also in erster Linie Sozialdemokraten und Gewerkschafterinnen. Nicht nur für die Polizei sondern auch für die Politik und für die Medien ist der 1. Mai seit Jahrzehnten nur noch ein Event, dessen Essenz in mehr oder weniger Gewalttätigkeiten besteht. Niemand fragt sich, wer diese „Chaoten“ sind, wer hinter ihnen steht, wer sie verführt. Niemand fragt, wer ein politisches Interesse an dieser rechtswidrigen und systematischen Zerstörung des einstmals stolzen Demonstrationszugs der Arbeiterinnen, Angestellten und Arbeitslosen haben könnte. Insofern ist die hier wiedergegebene Aussage von Martin R., bei den vermummten Aktivisten handle es sich um Kinder aus „reichen Elternhäusern“,  mehr als aufschlussreich.

Dabei ist die Mechanik ja keineswegs neu: der Einsatz von Provokateuren gehört zum traditionellen Arsenal faschistischer und nationalistischer Parteien. Um zu wissen, wer heute wirklich hinter den Radaubrüdern steckt, müsste man sie nur - politisch - demaskieren.     

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