Gesamtarbeitsvertrag für Temporäre

Hälfte / Moitié

Mittlere und grössere Temporärbüros müssen sich künftig an einen Gesamtar­beits­vertrag (GAV) halten und Mindestlöhne bezahlen. Der Bundesrat hat erst-mals einen GAV für diese Branche allgemeinverbindlich er­klärt. Er gilt ab 1. Ja­nuar 2012.

(Unia). Mit der Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) Personalverleih gilt erstmals in der Schweiz ein branchenübergreifender GAV. Davon profitieren schätzungsweise 270'000 Temporärar­beitnehmende. Für die Gewerkschaft Unia ist das Vertrags­werk ein wichtiger sozialer Fortschritt und ein grosser vertragspolitischer Erfolg.

Am 25. Juni 2008 stellten die Unia und der Verband der Personalverleiher Swissstaf­fing den Gesamtarbeitsvertrags für Temporärar­beitnehmende vor. Jetzt, über drei Jahre später, nach Dutzenden von Arbeitgeber-Ein­sprachen und zähen Nachver-handlungen, hat der Bundesrat den Vertrag endlich all­gemeinverbindlich erklärt.

«Mit dem GAV für Temporärarbeitende betreten wir Neuland», erläuterte heute nach Bekanntwer­den des Bundesratsbeschlusses Unia-Geschäftsleitungsmitglied und Ver­handlungsführerin Vania Al­leva. In der Tat gilt dieser Vertrag im Unterschied zu ande­ren GAV branchenübergreifend und unab­hängig von ihren Einsatzort für alle Tempo­rärarbeitenden. In Branchen mit bestehenden Gesamtar­beitsverträgen haben deren Regelungen grundsätzlich Vorrang. Damit wird das bestehende GAV-Sys­tem gestärkt und eine grosse Lücke geschlossen.

Fortschritt im prekären Bereich

Alleva bezeichnet das Vertragswerk als wichtigen sozialen Fortschritt für eine prekä­ren Bereich: «Der neue GAV bringt für alle temporär Beschäftigten mehr soziale Absi­cherung.» Konkret führt der Ver­trag folgende Verbesserungen ein:


Eine klare BVG-Regelung mit einem Obligatorium für Arbeitnehmende mit Un­terstüt­zungspflichten, sowie für Arbeitnehmende mit unbestimmter oder über dreimonatiger Einsatz­dauer. Die übrigen temporär Beschäftigten können sich freiwillig unterstellen lassen, und ihre Ar­beitseinsätze werden für die Berechnung der Pensionskassen­bei­träge kumuliert.


Eine obligatorische Krankentaggeldversicherung, welche eine 80-prozentige Lohn­ausfallentschädigung während 720 Tagen garantiert (60 Tage für Arbeitnehmende, welche weder dem BVG unterstellt noch in einer Branche mit AVE-Vertrag arbei­ten).  

Ein wirksames Vollzugs- und Kontrollsystem, das die garantierten Arbeitsbedingun­gen durchsetzen kann.

Für die Temporärarbeitnehmenden, welche in einer Branche mit nicht allgemeinver­bindlichem oder überhaupt ohne GAV arbeiten, bringt das neue Vertragswerk zu­sätz­lichen Schutz: Für sie wurden se­parate Mindestnormen festgeschrieben, so zum Bei­spiel regionalisierte und nach Qualifikation diffe­renzierte Mindestlöhne (zwi­schen 16.46 und 23.59 Franken pro Stunde), eine wöchentliche Normal­arbeitszeit von 42 Stunden und 5 Wochen Ferien für Arbeitnehmende ab vollendetem 50. Altersjahr.

Mehr soziale Gerechtigkeit

Für Vania Alleva von der Gewerkschaft Unia ist dies ein wichtiger Schritt zu mehr so­zialer Gerechtigkeit in der Schweiz: «Vom GAV-Personalverleih profitieren die bisher am wenigsten geschützten und am meisten benachteilig­ten Arbeitnehmenden am meisten». Die Unia will die jetzt festgeschrieben Mindestbedingungen in den kom­menden Jahren kontinuierlich verbessern.

Für Temporärarbeitnehmende welche in einer Branche mit allgemeinverbindlichem GAV oder mit einem in Anhang 1 aufgeführten GAV (z.B. Post, Swissport etc.) tätig sind, gelten die in diesen Verträ­gen festgelegten Mindestarbeitsbedingungen.

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