Gewerkschaften kämpfen teilweise gegen Armut

Paul Ignaz Vogel

Ein Kommentar

Die Gewerkschaften erkennen die Zeichen der Zeit und wenden sich gegen eine weitere Deregulierung des Arbeitsmarktes und eine Zunahme von Prekarisierung und Armut. Aber es ist nur ein Teil-Engagement innerhalb den üblichen festgefahrenen gewerkschaftlichen Horizonten und Denkmustern. Im Visier des gewerkschaftlichen Kampfes steht vorderhand  leider  nur  der sogenannte 1. Arbeitsmarkt. Der 2. Arbeitsmarkt mit ebenso viel strotzender Ungerechtigkeit, irregulären temporären Arbeitsverhältnissen, Lohndumping und willkürlichen Lohnzahlungen, bleibt ausgeblendet. Als ArbeitgeberInnen auf diesem 2. ebenso prekären Arbeitsmarkt treten Hilfswerke, Sozialfirmen und Gemeinden auf.

 

Doch das Phänomen des 2. Arbeitsmarktes erzeugt nebst Schutzlosigkeit und Zukunftslosigkeit für die Betroffenen auch eine blühende Armutsindustrie. Dank ihr können die arbeitgebenden Organisationen mit öffentlichen Geldern ihre Strukturen erhalten und ausbauen. Damit laufen die Anbieter Gefahr, zu einem Selbstzweck zu degenerieren. Erfreulicherweise werden jedoch gerade aus verantwortungsbewussten Kreisen der Sozialfirmen Stimmen laut, welche der Ausbeutung und Schikanierung auf dem 2. Arbeitmarkt Einhalt gebieten möchten. Sie sähen eine Lösung der hängigen Probleme in der Einführung von Normalarbeitsverträgen (NAV) und damit in einer Regulierung auch des 2. Arbeitsmarktes.

 

An der Medienkonferenz des Schweizerische Gewerkschaftsbundes (SGB) fehlteder Verband des Personal öffentlicher Dienste (VPOD). An ihm wäre es, ein Projekt für einen Normalarbeitsvertrag (NAV) im Bereich des 2. Arbeitsmarktes zu entwickeln, Verhandlungen mit der organisierten Arbeitgeberschaft des 2. Arbeitsmarktes  und mit den Arbeitsmarktbehörden Kontakt aufzunehmen. Es bräuchte  vom VPOD Mut, über den eigenen Schatten zu springen und die heutige Wirklichkeit zu erkennen.

 

Der 2. Arbeitsmarkt ist ein neues Phänomen und besteht erst seit dem Durchbruch des Neoliberalismus, somit seit knapp 20 Jahren. Falls sich der VPOD zum Handeln  entschliessen könnte, würde er auch verlockend belohnt: Durch mehr Einfluss und mehr Mitglieder in seiner Gewerkschaft. Allein das hätte Zukunft.

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