Humanisierung der Arbeit

Henriette Kläy

Unter dem Leittitel „Gedanken zur Arbeit“ steht im Forum Altenberg in Bern vom Dezember 2012 bis Juni 2013 eine Reihe von Seminaren mit zum Thema „Arbeit“ auf dem Programm. 
 
Im Zusammenhang mit Globalisierung, Finanzkrise, weltweiten Migrationen und Steigen der Bevölkerungszahlen ist das althergebrachte System der Leistungsgesellschaft an einen Punkt gelangt, an welchem ein grundsätzliches Umdenken zwingend notwendig wird. Namhafte VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und Praxis beleuchten Ursachen und Folgen und stellen ihre Gedanken zur Veränderung und Modelle neuer Systeme vor.

Professor Michael Hirsch, Philosoph und Politikwissenschaftler aus München

Begonnen hat die Reihe am ersten Dezember-Wochenende 2012  mit einem zweitägigen Seminar von Professor Hirsch mit dem Thema „Arbeitsbeschaffung: eine Ideologie, Abschied von der Beschäftigung“. Hirsch stellte zwei Leitfragen:
1) Worin liegt der Sinn der wirtschaftlich-technischen Produktivitätssteigerungen in der modernen Gesellschaft? Liegt darin prinzipiell eine menschliche Befreiungsperspektive, eine Befreiung von überflüssiger Arbeit? Was sind Begriff, Definition und Sinn von Arbeit? Geht es um Projekte der Steigerung und Vermehrung, oder der Verringerung und besseren Verteilung von Arbeit?
2) Worin liegen die realen gegenwärtigen Entwicklungstendenzen westlicher Gesellschaften? Könnten sie als politische, wirtschaftliche und kulturelle Flucht vor der Freiheitsfrage interpretiert werden? Arbeitsbeschaffung?

Befreiung von Arbeit, erstrebte Humanisierung

Der Programmbeschreibung von Professor Hirsch entnehmen wir: Wenn der Fortschritt der Produktivkräfte einen Sinn haben soll, dann denjenigen, die Menschen von sinnloser Arbeit zu befreien. Der menschliche Sinn der ökonomischen Fortschritte kann nur in der fortschreitenden Befreiung von wirtschaftlich notwendiger Arbeit und in der Humanisierung der Arbeitsverhältnisse selbst liegen. Dem liegt eine prinzipiell egalitäre Vorstellung der Entwicklung und Verteilung menschlicher Fähigkeiten und Tätigkeiten zu Grunde, welche im Kontext der nicht mehr nur drohenden, sondern bereits geschehenden ökologischen Selbstzerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen eben ein Weniger an Arbeit, Produktion und Verbrauch impliziert. Vorgeschlagen wird insofern eine ökonomische, politische und kulturelle Revolution. In der Konsequenz liegt der Übergang vom kulturellen Primat bezahlter beruflicher Erwerbsarbeit zum Primat unbezahlter, freiwilliger Arbeit für sich und andere.“

Fortsetzung der Seminarreihe „Gedanken zur Arbeit“
Folgende Vorträge und Diskussionen zu diesem Thema stehen noch auf dem Programm:

11. März 2013, 19h00
Dr. theol. Ina Praetorius:
Das bedingungslose Grundeinkommen als patriarchales Projekt:

Die laufende Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen bietet die Chance, grundlegende Begriffe wie "Wirtschaft“, „Arbeit“ oder „Wohlstand“ neu zu definieren. Das ist dringend notwendig, denn Wirtschaft ist mehr als Markt, und Arbeit ist etwas anderes als Gelderwerb. Wer das BGE als postpatriarchales Projekt versteht, entdeckt die weltgestaltenden Potenziale, die in der ausdrücklichen Entkoppelung von Leistung und Lohn stecken.

5. April 2012, 19h00
Professor Götz W. Werner:
Archimedischer Punkt: Die Idee des Grundeinkommens
Das gesellschaftliche Denken braucht neue Impulse, neue Perspektiven. Ein Grundeinkommen, das jedem ein bescheidenes, aber würdiges Leben ermöglicht, ist eine  Idee, deren Zeit gekommen ist. Die Idee des Grundeinkommens und einer reinen Konsumbesteuerung wirkt wie ein archimedischer Punkt, der uns ermöglicht, die faktischen Verhältnisse mit unserem Denken und Handeln in Einklang zu bringen. Dass die Balance zwischen unserem Verhalten und den herrschenden Bedingungen gestört ist, zeigt die Finanzkrise sehr deutlich. Krisen sind Bewusstseinskrisen. Der Mensch lernt aus Einsicht oder Katastrophe – das Grundeinkommen ermöglicht uns, die gegenwärtigen Herausforderungen mittels Einsicht zu bewältigen.

13. Mai 2013, 19h00
Dr. rer. pol. Oswald Sigg, Journalist, ehemaliger Vizekanzler der Schweizerischen Eidgenossenschaft:
Mit einer Utopie gewinnt man keine Wahlen
Aus zwei Dutzend Volksinitiativen, für die gerade Unterschriften gesammelt werden, ragt eine einzige hervor, die weder das Passivrauchen verhindern noch den Strassenverkehr verflüssigen oder andere sekundäre Fragen regeln will, sondern nur gerade eine Utopie zur Abstimmung bringen wird: Das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Ist dieses Volksbegehren die Ausnahmeerscheinung in der ansonsten käuflich gewordenen direkten Demokratie? Überlegungen zum Zustand der politischen Schweiz.

10. Juni 2013, 19h00
Enno Schmidt
Künstler, Autor, Filmemacher:
Bedingungsloses Grundeinkommen – Verrückt und für alle
Wenn Kunst eine Herausforderung ist – das heisst, das Leben, das Leben eine ist und die einzig wirkliche, die wir haben – wenn Bildung ein Menschrecht ist und Arbeit Bildung, Beruf Entwicklung – wieso haben wir dann nicht längst das bedingungslose Grundeinkommen für jeden? Menschenrecht. Das Grundeinkommen macht ernst damit in unserer Zeit.

Die Vorträge finden jeweils statt im Forum Altenberg, Altenbergstrasse 40, 3013
Bern, Tel. 031 332 77 60 
www.forumaltenberg.ch  info@forumaltenberg.ch 
 
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Jedes vierte Kind in der EU ist von Armut bedroht

Swissinfo. In der Europäischen Union ist etwa jedes vierte Kind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Durchschnitt waren im Jahr 2011 in den EU-Ländern 27 Prozent der unter 18-Jährigen betroffen, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mitteilte.

In Bulgarien und Rumänien ist sogar rund jedes zweite Kind gefährdet. Am geringsten ist die Quote in Schweden, Dänemark und Finnland mit jeweils 16 Prozent, in Deutschland beträgt der Anteil knapp 20 Prozent. Kinder leben demnach in der EU durchschnittlich öfter mit der Bedrohung von Armut und Ausgrenzung als Erwach­sene und ältere Menschen ab 65 Jahre.

Besonders gefährdet sind Kinder von Eltern mit einem niedrigen Bildungsgrad; hier ist jeder zweite Minderjährige betroffen. Auch Kinder von Einwanderern leben mit einem grösseren Armutsrisiko: Von ihnen ist fast jeder dritte der unter 18-Jährigen betroffen. (sda-ats, 26.02.2013)

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