In die Zukunft investieren

Paul Ignaz Vogel

Im neoliberalen Boom der ausgehenden Neunziger­jahre im vorigen Jahrhundert wurde ein eidgenössisches  Arbeitslosenversicherungsgesetz zusammen geschustert, das die berufliche Weiterbildung zu einer rein arbeitsmarktlichen Mass­nahme degradiert. Die Arbeitslosen lernen in sogenannten Weiterbildungskursen etwa, wie die Krawatte zu binden ist vor einem Vorstellungsgespräch oder wie man/frau die in­dividuellen Chancen erhöht, eine Stelle auf dem umkämpften 1. Arbeitsmarkt zu ergattern. Eine paar Schreibkenntnisse, Bewerbungen entwerfen, die Tastaturen der Notebooks bedienen, das Pfötchen schön geben. Den erzwungenen Zeitvertreib nobel zum Gewinn für die KursanbieterInnen machen. Am Schluss einer solchen arbeitsmarktlichen Massnahme mag es sogar ein golden bedrucktes Attest ohne jeglichen Wert als Berufsausweis geben. Und ohne jeden dauerhaften und nachhaltigen Gewinn für das Wissensgepäck eines jeden Einzelnen. Neoliberaler Bluff allesamt.

Hingegen blüht die sogenannte Weiterbildungsindustrie, das Kurswesen hunderter von Privatfirmen, die sich dank den nie versiegenden riesigen öffentlichen Geld­quellen der Arbeitslosenversicherung  gesund stossen. Seit mehr als einem Jahrzehnt läuft das so.

Parallel daneben bemüht sich die Politik im eidgenössischen Zentralstaat, unkoordiniert zum Arbeitslosenversicherungsgesetz ein neues Weiterbildungsgesetz auf die Beine zu stellen. Wie Walter Schmid, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) an der Medienkonferenz treffend ausführte, sei im Bereich Sozialpolitik von der eidgenössischen Ebene im Moment kaum etwas zu erwarten.

Wohltuend wirken daher die Impulse, welche von der Kantonsebene aus kommen. Im Bereich der Sozialhilfe sollte fortan besser koordiniert werden, fordert die SKOS. Der Jugendarmut muss mit einer Bildungsoffensive begegnet werden. Stipendien statt Sozialhilfe ist das Stichwort. Koordination ein weiteres. Es geht um Menschen und ihre Zukunft. Auch in Menschen kann investiert werden, nicht nur in rentierende Unternehmungen.

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