Was gratis ist, kann viel wert sein

Oswald Sigg

Internet für Armutsbetroffene: Knapp zwei Jahre im Betrieb, platzt das Internetcafé Power Point in Bern bereits aus allen Nähten. Der Erfolg zeigt, wie dringend das Bedürfnis von Armutsbetroffe­nen nach einem kostenlosen Computer-Arbeitsplatz geworden ist.
 
In einem fensterlosen Nebenraum des Bücherbergwerks, dem SAH-Buchantiquariat im Berner Monbijou, sind alle Plätze im Internetcafé Power Point besetzt. Ein Besu­cher wartet geduldig, bis ein Gerät frei wird. Der Geschäftsführer sitzt an einem klei­nen Tischchen, das mit dem Schild „Anmeldung“ versehen ist. Es sind Erwerbslose, Armutsbetroffene oder Asylsuchende die an den kleinen Bildschirmen arbeiten.  Sie lernen hier den Umgang mit einem Computer oder sie sind auf Arbeits- oder Woh­nungssuche, erledigen Korrespondenz oder surfen sonst wie im weltweiten Netz, weil sie sich keinen eigenen Laptop leisten können. Für  einige Nutzer ist das Power Point die einzige Möglichkeit, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben.

Hoher Gemeinnutzen
 
Das Power Point ist eine unscheinbare Institution. Am Eingang der Monbijoustrasse 16 findet sich nicht einmal ein Hinweis darauf, dass sich Armutsbetroffene hier im ersten Untergeschoss völlig kostenlos an einem Laptop betätigen und ins Internet steigen dürfen. Im letzten Jahr haben 6046 Personen diese Gelegenheit benützt. Mehr als 20 Erwerbslose haben dank dieser Einrichtung eine Stelle gefunden,  an­dere haben sich hier mit dem Computer vertraut gemacht und einen Anfängerkurs mit Erfolg absolviert: dank selbst geschriebener Bewerbung fanden sie eine Stelle.

Dürftige öffentliche Unterstützung
 
Power Point hat einen sehr hohen Gemeinnutzen und wird trotzdem nur mit ein paar tausend Franken von Stadt und Kanton Bern unterstützt. „Das ist leider so,“ bestä­tigt Geschäftsführer Thomas Näf, „der Gemeinnutzen dieser Institution ist sehr hoch, die Kosten tief und der öffentliche Beitrag sehr klein.“ Sein Laden lebt vor allem von pri-vaten Spenden und er selbst verrichtet seine Arbeit als jederzeit anwesende Aus­kunftsperson, Betreuer, Kursleiter und Geschäftsführer, der abends auch noch das Licht löscht, für etwas mehr als 700 Franken im Monat. 

Für die arbeitslose Hamburgerin, die gleich neben der Anmeldung am Computer sitzt, „ist dies hier eine ideale und kostengünstige Möglichkeit sich intensiv nach einer neuen Stelle umzusehen.“  Sie war 2009 in die Schweiz gekommen, weil sie einen guten und vermeintlich langfristigen Arbeitsplatz im Finanzbereich gefunden hatte. Die Firma ging in Konkurs und sie war ihren Job los. „Es ist mir sehr peinlich: nicht nur bin ich arbeitslos, sondern lande auch noch im sozialen Netz.“ Trotzdem: die zuversichtliche 51-jährige Frau ist des Lobes voll über die Art und Weise, wie sie hier im Power Point von Thomas Näf tatkräftig unterstützt wird und auch vom RAV fühlt sie sich sehr gut begleitet. 

Auf private Spenden angewiesen 

Power Point und dem Trägerverein KABBA wurde von der bernischen Steuerbehörde die Gemeinnützigkeit attestiert, sodass einer grosszügigen Spende nichts mehr im Wege steht. Siehe: http://www.kabba.ch/internetcafe.html

 

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