SVP-Nationalrat Roger Köppel: Bewunderung für Nazi-Menschheitsverbrecher Hermann Göring

Paul Ignaz Vogel

Der Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der „Weltwoche“ schockierte zum Jahresbeginn 2016 die schweizerische Öffentlichkeit mit seiner kaum verdeckten Bewunderung für den deutschen Menschheitsverbrecher Hermann Göring. Im gleichen Editorial warb Köppel für die Durchsetzungsinitiative, über die am 28. Februar 2016 abgestimmt wird.

Meine Bewunderung gilt den zahlreichen vielen kleinen Leuten, Frauen und Männern in der Schweiz, welche im Herbst 2015 unser Parlament neu gewählt haben. Gemäss den jahrhundertalten demokratischen Traditionen unseres Landes. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) schwang leicht obenaus, besetzte die grösste Fraktion und wurde in den Bundesratswahlen mit einem zweiten Sitz belohnt. Anständige Menschen mit Entscheidungsfähigkeit gibt es auch im nationalkonservativen Lager, selbst wenn dieses mir politisch sehr fern steht. Das freiwillige Proporzverfahren in der Exekutive, die sogenannte Konkordanz hatte sich wieder durchgesetzt. Der Wahlkampf schien wohltuend abzuebben. Unser Land konnte sich der Selbstbehauptung in einer äusserst schwierigen Zeit zuwenden. 

Entsetzen über Verdrehung der geschichtlichen Wahrheit 

Da kam der Paukenschlag vom Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel. Der 1965 geborene Verleger und Chefredaktor schrieb in seiner „Weltwoche“ zur Jahresbeginn 2016 eine Kolumne, in der er – als Buchbesprechung verpackt – den Nazi-Menschheitsverbrecher Hermann Göring bewundernd hervorhob. So haben wir EidgenossInnen entsetzt Göring als „verfemte Gestalt mit einer Vielfalt ihrer Eigenschaften“ wahrzunehmen. Nebst Erfolg bei schönen Frauen wird auch Görings „Tragik nachgespürt, von der die Deutschen, eine der bis dahin zivilisiertesten Nationen Europas, im letzten Jahrhundert befallen wurden.“ Und: „Göring war weder Monster noch Teufel. Sein Trauma war der Absturz Deutschlands nach dem Weltkrieg 1918. Wie Millionen andere glaubte er in Hitler den genialen Wieder­errichter deutscher Grösse, den Beseitiger politischen Unrechts zu erblicken. „ 

Dann wird’s heftig in Köppels Analyse : „Die für mich erstaunlichste Erkenntnis ist die Vermutung, dass der Zweite Weltkrieg von Hitlers Clique gar nicht bewusst begonnen, sondern gleichsam hasardierend und planlos in Kauf genommen wurde. Nicht nur die Deutschen waren einem Blender auf den Leim gekrochen. Man darf den Faktor Unfähigkeit in der Politik nie unterschätzen.“ 

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2016-01/editorial-goering-die-weltwoche-ausgabe-012016.html 

Wer die historische Wahrheit über die von Köppel beschriebene „verfemte Gestalt“ Hermann Göring sucht, kann in Wikipedia folgende Passagen zur Kenntnis nehmen:

„ Am 31. Juli 1941 beauftragte Göring Reinhard Heydrich mit der Organisation der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“. Ab 1942/43 (Zeit der Kriegswende) zog sich Göring – sowohl auf parteiinternen Druck hin als auch aus eigenem Antrieb – zunehmend ins Privatleben zurück, wo er einen dekadent-luxuriösen Lebensstil pflegte. Viele Ämter führte er seitdem – wenn überhaupt – nur noch in repräsentativer Weise aus. Göring war einer der 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Angeklagten. Er wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Durch Suizid entzog er sich der Vollstreckung des Urteils.“ 

Köppels Eltern dürften sich noch an jene schreckliche Zeit 1933-1945 erinnern. Beim wissenschaftlich nur zum Lizenziaten avancierten Roger Köppel scheint Verdrängen vorherrschend zu sein. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_G%C3%B6ring 

Köppel zur Durchsetzungsinitiative 

Mehr hätte sich Köppel politisch nicht blamieren können als mit dem Titel seiner Neujahrskolumne  „Das deutsche Verhängnis. Ja zur Durchsetzungsinitiative“. Wir begreifen plötzlich, dass eine Korrelation zwischen der Nazibewunderung und der geplanten Abschaffung des schweizerischen Rechtsstaates mittels der Durchsetzungsinitiative besteht.  

Das linke Plakat gegen die Durchsetzungsinitiative, die am 28. Februar 2016 zur Abstimmung gelangt, macht die treffende, durch Köppels Kolumne doppelt bestätige Aussage: Ein Nazistiefel zertritt das Bundeshaus Bern mit dem Parlamentsgebäude. 

Die Aargauer Zeitung befragte ihre LesererInnen, ob Köppels Text in der „Weltwoche“ zu weit gehe. 80% stimmten dieser Aussage bestimmt zu, nur 20% fanden Köppels Exkurs in die Naziverbrechen ok. Zu hoffen ist, dass sich unsere schweizerische Stimmbevölkerung am 28. Februar 2016 entsprechend outet. 

http://www.sp-ps.ch/de/kampagnen/abstimmung-vom-28-februar/nein-zur-svp-durchsetzungsinitiative

 

 

 

 

 

 

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