Kein Dumping durch Temporäranstellungen

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Die Temporärarbeit ist eine prekäre Arbeit und sehr oft Quelle von Lohndumping. 41 % der Temporärfirmen halten etwa die Mindestarbeitsbedingungen in Gesamtarbeitsverträgen (GAV) nicht ein. Die Temporärarbeit hat sich in den letzten 15 Jahren vervierfacht – auch wegen der Personenfreizügigkeit mit der EU.

Vor der letzten Volksabstimmung über die Erweiterung der Personenfreizügigkeit (Rumänien/Bulgarien 2009) haben die Behörden versprochen, die Massnahmen zum Schutz der Arbeitsbedingungen auch im Temporärbereich zu verstärken. Doch der allgemeinverbindliche GAV für die Temporärbranche ist bis heute nicht realisiert.

Ziel muss sein, dass die Temporärbeschäftigten zu gleichen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden wie Festangestellte. In einem Anhang soll der GAV Personalverleih deshalb Firmen und weitere GAV aufführen, in denen die Gleichbehandlung gälte. Knackpunkt dabei ist, wie SGB-Präsident Paul Rechsteiner festhält: „Verschiedene Arbeitgeber weigern sich, ihre GAV so auch für die Temporärbeschäftigten anzuwenden. Sie erhoben Einsprache gegen die Allgemeinverbindlichkeit. Sogar Bundesbetriebe wie die SBB wollen das Schutzniveau ihrer GAV für Temporärbeschäftigte nicht gelten lassen.“

 

SGB-Chefökonom Daniel Lampart fordert deshalb den Bundesrat auf, „mindestens die ehemaligen Regiebetriebe zu diesem GAV-Beitritt zu verpflichten und auf die anderen Grossunternehmen und Branchen entsprechend einzuwirken.“ Komme kein wirksamer GAV Temporär zustande, müsse das Prinzip der Gleichbehandlung gesetzlich verankert werden. Lampart weiter: „Der Bund muss zudem einen Normalarbeitsvertrag mit verbindlichen Mindestlöhnen erlassen. Der Personalverleih von aus-ländischen Arbeitskräften ist weiter auf Personen mit Aufenthalts- bzw. Niederlassungsbewilligung (B- bzw. C-Bewilligung) einzuschränken.“

 

Vania Alleva, Vize-Präsidentin SGB und Mitglied der Geschäftsleitung Unia, zeigte mit Beispielen, warum sich Firmen weigern, ihren GAV auch für Temporärarbeitende gelten zu lassen: „Bei Novartis in Stein im Kanton Aargau verfügt jeder fünfte Angestellte nur über einen Temporärvertrag. Was heisst das konkret? Der Stundenansatz bei Chemikanten liegt in der Regel bei ca. 34 Franken. Doch die meisten Temporären erhalten nur rund 26 Franken pro Stunde. Damit „spart“ die Firma über 20% an Lohnkosten.“ Dieses Dumping müsse nun der GAV Personalverleih unterbinden. (Mitg. 4.7.2011)

 

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Zum Beispiel die Berner Solarfirma Meyer Burger

 

Erst letzte Woche verkündete sie stolz den Eingang neuer Rekordaufträge aus China. Ausserdem wurde bekannt, dass Meyer Burger ein deutsches Konkurrenzunternehmen aufgekauft hat. Zusammen mit den Traumergebnissen für das vergangene Geschäftsjahr (Verdoppelung des Umsatzes, +234% Reingewinnsteigerung) ver-heisst dies den Aktionären saftige Gewinne. Bezahlen müssen dafür allerdings die Temporärmitarbeiter, welche zeitweise bis zu 40% der Betriebsbelegschaft ausmachen – nicht weniger als 100 von ihnen hat Meyer Burger zum Beispiel im Juni auf die Strasse gestellt.

Vania Alleva, Vizepräsidentin des SGB


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Versprechen der flankierenden Massnahmen

 

Mit den flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit ist der Bevölkerung versprochen worden, dass in der Schweiz das Schweizer Lohnniveau gilt und durch die Behörden auch geschützt wird. Es ist deshalb unzulässig und widerspricht den flankierenden Massnahmen, wenn das Niveau der Arbeitsbedingungen in der Branche, so wie es durch die Gesamtarbeitsverträge definiert wird, durch schlechter bezahlte Temporärarbeit unterlaufen wird. Lohndumping ist verboten, auch mittels Einsatz von Temporärfirmen.

 

Paul Rechsteiner, Präsident SGB

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In der Schweiz gilt die Gleichbehandlung bisher nur bei allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträgen. Diese Lücke versucht der neue Gesamtarbeitsvertrag der Temporärbranche zu schliessen, indem in einem Anhang Gesamtarbeitsverträge und Firmen aufgeführt werden, in denen das Gleichbehandlungsprinzip gelten soll. Deckt dieser Anhang nicht einen grossen Teil der Firmen und Branchen ab, wird Lohndruck über Temporärarbeit weiterhin in grossen Teilen der Schweizer Wirtschaft möglich sein.

Daniel Lampart, SGB-Chefökonom

 

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