Kinder haben Rechte

IG Sozialhilfe / Lebenswege kreuzten sich: In den 80er Jahren horchte ich begeistert auf, als sich die Bürgerrechtsbewegung der Opfer vom „Hilfswerk“ Kinder der Landstrasse Gehör ver­schaffte. Wenig Zeit später begegnete ich verelendeten Opfern. Pro Juventute, PJ, mit ihrem „Hilfswerk“ Kinder der Landstrasse trennte Kinder von ihren Familien und versenkte sie in billige Kinder- und Jugendheime oder Pflegefamilien: Die Kinderseelen und -körper wurden gewalttätig und sexuell misshandelt. Ihre Identität sollte beseitigt werden.

Als die Bürgerrechtsbewegung der Opfer von Kinder der Landstrasse erfolgreich Wiedergutmachung erkämpfte, brachte Mariella Mehr, Schritstellerin und Wortführerin, es auf den Punkt: „Wiedergutmachung ist nur Anerkennung der Schuld! Wieder- gut- machen?“

In jahrelangen intensiven Begleitungen, in langen bangen schlaflosen Nächten, mit Opfern von Kinder der Landstrasse und ehemaligen Verdingkindern fing ich an zu verstehen, wie tief die seelischen Wunden waren und immer wieder aufplatzen. „Sag mir, was ist ein Menschenleben wert? – meines nichts.“ In Gesprächen über Selbstmord, um dem ständigen Schmerz ein Ende zu setzen, wurde mir anvertraut: „Ich vernahm erst in der Schule, wie ich wirklich hiess. Ich dachte meine Pflegeeltern seien meine Eltern – ein totaler Schock. Dann verzog ich mich, nachts schlief ich in der Hundehütte und ass tagelang nur noch aus dem Futternapf. Niemand suchte mich. Doch plötzlich wurde ich ins Kinderheim verschachert. Was dort geschah, darüber kann ich nicht sprechen…“

Dieses Jahr feiert die PJ das 100-jährige Jubiläum: Ihr Verbrechen gegen die Menschlichkeit will sie totschweigen. Ihre Ausreden, es sei der Zeitgeist gewesen,  um sich aus der Ver­antwortung zu stehlen, grenzt an Geschichtsfälschung. Ein Opfer von Kinder der Landstrasse öffnet sich für die IG-Zeitung und gibt Einblick in seinen Alltag.

Die neueste Ausgabe der IG-Zeitung ist diesen Menschen gewidmet, den Opfern der PJ und den Verdingkindern und anderen mit ähnlichem Schicksalen: Menschen, die bereits in ihrer Kindheit so schwere Misshandlungen erleiden mussten, dass sie lebenslänglich von Angst und Schmerz gezeichnet sind, weil sie und ihre Eltern arm und völlig rechtlos waren.

Es gibt viel zu tun! Packen wir es an!

Zeitung Nr. 17 der IG Sozialhilfe:

Inhaltsverzeichnis:

  • Thomas Huonker: Rassismus und Armutspolitik – auch eine Wissenschaftsgeschichte
  • Ilja: Das erschreckte Kind
  • Luzian Ochsner: Verding- und Waisenkinder gestern – Pflegekinder heute?
  • Zum 100-jährigen Jubiläum von Pro Juventute:
  • - Anonyme: Einblick in das Leben, den Alltag eines 46-jährigen Opfers des „Hilfswerks“ Kinder der      Landstrasse
  • - Branka Goldstein: Stichworte zur Chronologie des Verbrechens des „Hilfswerks“ Kinder der      Landstrasse
  • Branka Goldstein: Zum 8. März
  • Luzian Ochsner: Herzlichen Dank, Béatrice!
  • Kurt Wyss: Hauptsache Arbeit? Zur Problematik der Sozialfirmen
  • Andreas Hediger: Soziale Rechte für Armutsbetroffene – darum kostenlose Rechtshilfe!
  • NZZ: Bundesgericht: Nomadenleben Rechnung tragen
  • Verein Kafi Klick & IG Sozialhilfe: Das Kafi Klick wird ein Bereich der IG Sozialhilfe
  • Luzian Ochsner/Branka Goldstein: Zur schweizerischen Armutspolitik: Der Bund vergisst die schwächsten Armutsbetroffenen!
  • Das politische und oziale Programm der IG Sozialhilfe

Preis pro Zeitung CHF 5.-

Zu beziehen bei: IG Sozialhilfe, Postfach 1566, 8032 Zürich, info@ig-sozialhilfe.ch 

Zurück


Unterstützen Sie den Mediendienst
Hälfte/Moitié mit einer Spende über PayPal:



Bitte teilen Sie unsere Artikel: