Lange Zeit ohne Lohnarbeit

Schweizerisches ArbeiterInnenhilfswerk (SAH)

An einer Fachtagung im Kongresshaus in Biel / Bienne stellte sich das Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) am 21. November 2014 unter dem Titel „Ar­beit und Integration“ dem Problem der Langzeitarbeitslosigkeit. Von der Sozial­hilfe zurück in den Arbeitsmarkt: Ist dies eher Wunsch als Wirklichkeit? Auch mit eine Kampagne erhofft sich das SAH  Vollbeschäftigung.  

(SAH) SP Nationalrat und Präsident des SAH Netzwerks, Dr. Jean Christophe Schwaab, stellte zu Beginn der Tagung fest, es sei beschönigend, zu behaupten, die Sozialhilfe stehe unter Druck – es ist eine regelrechte Abwärtsspirale in Gange. Politike­rInnen, vorwiegend aus dem rechten Spektrum überbieten sich gegenseitig mit absurden Forderungen. Als nächstes werden den SozialhilfebezügerInnen wohl Fahrräder und Geranien verboten. 

Bund förderte Armut in Kantonen und Gemeinden 

Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung und der Invalidenversicherung wurden sukzessive reduziert und die Betroffenen in die Sozialhilfe abgedrängt. Steuerreduktio­nen für Reiche haben den Kostendruck für die Sozialwerke zusätzlich gesteigert. Diese Zeche müssen nun die Ärmsten zahlen. Schwaab erhob die Forde­rung nach einer generellen Erwerbsausfallversicherung, welche den Kostendruck auf die Sozialhilfe abschwächen könnte. 

Die SKOS Geschäftsführerin Dorothee Guggisberg erläuterte die Rahmenbedingungen und Herausforderungen der beruflichen und sozialen Integration. Sie erklärt: „Ende 2012 waren in der Schweiz 250’000 Personen auf Sozialhilfe angewiesen, was einer Sozialhilfequote von 3,1 Prozent entspricht. Bei einem Betrachtungshori­zont von 10 Jahren stellt das keine Erhöhung dar, wohl aber im Vergleich zu 2011. Die Regionen in der Schweiz sind unterschiedlich betroffen – während die ländlichen Kantone eher eine unterdurchschnittliche Sozialhilfequote haben, sind Kantone mit städtischen Zentren stärker betroffen. 

Tropfen auf den heissen Stein 

Wie berufliche Integration in der Unternehmenspraxis aussieht, berichtete Ton Goedmakers, CEO von Vegebo Services AG, einem führenden Anbieter von Reinigung und Gebäudeunterhalt. „Wir arbeiten heute mit mehr als 4000 Personen (Menschen mit Distanz zum ersten Arbeitsmarkt), welche eine Produktionskapazität haben zwischen 30 und 75%“ so Goedmakers. Dank angepassten Arbeitsumständen und speziellen Einarbeitungsprogrammen arbeitet Vebego heute zusammen mit Sozialfirmen, geschützten Arbeitsplätzen, Kantonen & Gemeinden.

Michael van der Cammen, Leiter Koordinierungsstelle Migration der Bundesagentur für Arbeit, informierte über die Situation in Deutschland: „Trotz hoher Dynamik im Bestand der Langzeitarbeitslosen gelingt Integration nicht immer – lediglich 13 Pro­zent der Abgänge sind Integrationen in den ersten Arbeitsmarkt.“ 

Ratlosigkeit 

Weshalb nicht alle einen Platz finden im Arbeitsmarkt erklärte Hansjürg Dolder, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit Kanton Basel-Stadt: Nicht nur die Menschen sondern auch die Anforderungen des Arbeitsmarkts haben sich verändert. Um darauf zu reagie­ren fordert er dazu auf, Neues zu probieren. Wichtig sei es auch, Diskriminierungen zu beseitigen. 

Emilie Graff erläuterte die Auswirkungen des Sozialabbaus auf die Soziale Arbeit. Die Co-Geschäftsleiterin von AvenirSocial, dem Dachverband der Sozialarbeitenden, stellt fest, dass nicht nur die von Armut betroffenen Menschen unter Druck stehen, sondern auch der ganze Berufsstand der Sozialarbeitenden. Die Rahmenbedingun-gen haben nicht nur Auswirkungen auf die Qualität, sondern auch auf das Image der Sozialen Arbeit. 

Heute negative Auswirkung des nationalen Sozialabbaus 

Kim Schweri, die Nationale Sekretärin des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH, schloss die Tagung mit einem Fazit: „Es kann nicht sein, dass die Sozialhilfe die Entwick­lungen in anderen Sozialversicherungen ausbaden muss. Es ist wichtig, die Armut zu bekämpfen, nicht die Armen.“ Dies sei unter anderem mit der Verteilung der finanziellen und administrativen Lasten zwischen den Gemeinden und den Kantonen zu erreichen. Es braucht Familienergänzungsleistungen, einen zugänglichen Arbeitsmarkt mit existenzsichernden Löhnen und Arbeitsplätze auch für weniger Leistungsfähige.

Weiterführende Informationen:

www.sah-schweiz.ch/fachtagung

Kampagne „Arbeitslosigkeit muss verschwinden“.

http://www.sah-schweiz.ch/kampagne

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