Fortschrittliche Sozialpolitik: Zum Rücktritt des bernischen Regierungsrates Philippe Perrenoud

Hälfte / Moitié

Philippe Perrenoud (SP) ist Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern und Vertreter des Berner Jura, dem nach der kantonalbernischen Verfassung mindestens ein Sitz zugesichert ist. Regierungsrat Philippe Perrenoud (SP) hat am 8. September 2015 seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er legt sein Amt auf den 30. Juni 2016 nieder. 

Vor seinem Eintritt in die Regierung wirkte Perrenoud als Psychiater mit starker sozialer Ausrichtung, war Mitarbeiter und Leiter von Kliniken und regionalen psychiatrischen Diensten. In seine Amtszeit fällt auch die Verfassung von drei Sozialberichten über die Armut.

Auf dem Stuhl des bernischen Gesundheits- und Fürsorgedirektors sitzt mit Philippe Perrenoud  ein ganz ungewöhnlicher Politiker. Als der Arzt 2006 ins Amt gewählt wurde, kam da weder ein Karrierist noch ein smarter Parteidiener oder einer, der sich nur gerade in der Ochsentour die imprägnierte Haut verschafft hatte. Kein Ränkeschmied, kein Strippenzieher, kein Rhetoriker.

Seine Stärken sind Vernunft und Augenmass und so etwas ist sogar auf der politischen Bühne des Kantons Bern ungewöhnlich und demzufolge höchsten Anstoss erregend. Mit diesen Gaben und überdies mit einer fast hartnäckigen Klugheit ausgerüstet, musste Philippe Perrenoud scheitern.

Die Natur – die neoliberale Zerschlagung des öffentlichen Gesundheitswesens und die SVP - beherrschte Sozialabbaupolitik – sie war stärker als er. Wäre Perrenoud ein bernjurassischer Bauer, müsste man von permanentem ‚Ugfell im Schtall‘ sprechen. Aber persönlich ist er daran eben nicht gescheitert. Manchmal dachten wir ja, wenn er nicht selbst einer wäre, müsste er jetzt zum Psychiater gehen. Keiner hat es mehr verdient, wieder Zeit für die Familie zu haben.

Die Hälfte/Moitié-Redaktion dankt Philippe Perrenoud für seine grosse Arbeit im öffentlichen Dienst und wünscht ihm alles Gute.    

Redaktion Hälfte / Moitié

 

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