SKOS fordert: Rasche Arbeitsintegration von Flüchtlingen

Jörg Eigenmann

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) fordert die raschere Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsmarkt. Die Gründe sind vor allem finanzieller Natur.

Die SKOS zeigt sich besorgt über die grosse Zahl von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen, deren Existenz mittelfristig durch die kantonale und kommunale Sozialhilfe gesichert werden muss. Deshalb präsentiert sie mit «Arbeit statt Sozialhilfe» ein Konzept für die rasche Arbeitsintegration.

Hohe Kosten für Kantone und Gemeinden

Im vergangen Jahr lebten rund 42 000 Personen aus dem Asylbereich mit Bleiberecht in der Schweiz. Dies entspricht etwa 17 Prozent aller Personen, die in der Schweiz aus der Sozialhilfe unterstützt werden müssen. Die SKOS geht davon aus, dass Kantone und Gemeinden mittelfristig für zirka 28 000 Personen aus dem Asylbereich Sozialhilfeleistungen erbringen müssen. Um diese Kostensteigerungen zu vermeiden, setzt die SKOS auf die berufliche Qualifizierung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen.

Bildung gegen Erwerbslosigkeit

Weil unqualifizierte Stellensuchende bereits heute meist arbeitslos sind, ist es nach der SKOS nicht zielführend, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene als Hilfskräfte in den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Vielmehr müssten diese Personen beruflich qualifiziert werden, um den Fachkräftemangel zu beheben.

Dazu ist nebst einem raschen Asylentscheid unabdingbar, dass nach wenigen Monaten Aufenthalt in der Schweiz mit der beruflichen Integration begonnen wird. Sprachkompetenzen sollen zusammen mit der Berufsqualifikation erworben werden – und nicht wie bis anhin in einem rein schulischen Kontext.

Die berufliche Qualifizierung erfolgt gemäss Arbeitspapier der SKOS idealerweis mittels niederschwelligen und relativ kurzen Ausbildungen, die zu einem erfolgreichen Berufseinstieg führen.

Per Gesetz zum Berufseinstieg

Die Teilnahme an einem Qualifizierungsangebot soll nach Massgabe der SKOS für alle arbeitsfähigen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommen obligatorisch sein. Dazu müsste im Asylgesetz eine entsprechende rechtliche Grundlage geschaffen werden.

Weil eine rechtliche Verpflichtung noch nicht garantiert, dass auch genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, ist auch die Wirtschaft gefordert: Branchenverbände und Betriebe sind angehalten, sich an den Qualifizierungsmassnahmen zu beteiligen und diese nach ihren Bedürfnissen mitzugestalten.

Von der Verwaltung schliesslich wird erwartet, dass sie administrative Hürden bei der Beschäftigung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen abbaut. Das bisherige Bewilligungsverfahren soll durch ein einfaches, gebührenfreies Meldeverfahren ersetzt werden.

Erfahrungen der Sozialämter als Wegweiser

Die Empfehlungen der SKOS stützen sich auf Erkenntnisse der Sozialämter. Demnach hat besondere Schwierigkeiten eine Stelle zu finden, wer längere Zeit arbeitslos ist, die Sprache nicht beherrscht oder über unzureichende berufliche Qualifikationen verfügt.

Siehe auch:
http://skos.ch/fileadmin/user_upload/public/pdf/medien/medienkonferenzen/2015_Diskussionspapier_Arbeit_statt_Sozialhilfe-d.pdf


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Zur Person:
Jörg Eigenmann  ist Sozialarbeiter FH und seit Oktober 2015 Redaktionsmitglied bei «Hälfte / Moitié»

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Zur Information:

Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene

Anerkannte Flüchtlinge mit Asyl erhalten zunächst eine Jahresaufenthaltsbewilligung (B-Ausweis) und frühestens nach fünf Jahren, bei erfolgreicher Integration, eine Niederlassungsbewilligung (C-Ausweis).Vorläufig aufgenommene  Flüchtlinge (Ausweis F) sind Personen, die zwar die Flüchtlingseigenschaft erfüllen, bei welchen aber Asylausschlussgründe vorliegen (z.B. wenn Fluchtgründe erst im Ausland entstanden sind). Vorläufig Aufgenommene (Ausweis F) sind Schutzsuchende, deren Asylgesuch zwar abgelehnt wurde, für die eine Wegweisung aber unzumutbar, unzulässig oder undurchführbar ist. Personen mit Ausweis F können frühestens nach fünf Jahren Aufenthalt in der Schweiz einen Antrag auf einen B-Ausweis stellen.

Sozialhilfe und Integration: Kostenaufteilung zwischen Bund und Kantonen

Der Bund vergütet den Kantonen die Sozialhilfekosten für Asylsuchende, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene mit Globalpauschalen. Die Kostenerstattungspflicht des Bundes dauert bei anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen fünf Jahre ab Einreichung des Asylgesuches, bei vorläufig Aufgenommenen sieben Jahre ab Einreise. Für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene entrichtet der Bund eine Integrationspauschale von 6000 Franken pro Person. Überdies beteiligt er sich an den kantonalen Programmen zur spezifischen Integrationsförderung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen.

 

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