Frauen protestieren gegen SRG-Geschichtsbild

Klein-Report

(Klein-Report) Politikerinnen sind vom Themenmonat «Die Schweizer» des Schweizer Fernsehens gar nicht begeistert. Das Programm zeigt Filme, die sechs Männer, die die Schweiz geprägt haben, porträtieren. Die Kritikerinnen fragen: «Wo bleiben die prägenden Frauen?» 

Nationalratspräsidentin Maya Graf ist entsetzt: «Schon der Titel macht klar, dass die Frauen mit dieser Serie nicht angesprochen sind», sagt die grüne Politikerin gegen-über der «Schweiz am Sonntag». «Meine erste Reaktion war: Unglaublich! Es kann doch nicht sein, dass in der heutigen Zeit diese Sensibilität noch immer fehlt.» 

Die ehemalige CVP-Nationalrätin Judith Stamm schimpfte in einer Kolumne auf dem Seniorenweb über «Die Schweizer» und schlug dort einige Schweizerinnen vor, die das SRF hätte porträtieren können. Gegenüber der Online-Zeitung ergänzte sie: «Wir haben genug Frauen in unserer Geschichte, die eindrucksvolle Spuren hinterlassen haben. Bei der SRG pflegt man offensichtlich ein total verstaubtes Geschichtsbild.» 

Dem stimmt auch SP-Frau Liliane Maury Pasquier zu, die die Auswahl der Protago­nisten nicht verstehen kann. Die frühere CVP- Nationalrätin Thérèse Meyer-Kaelin sagt dazu: «Die Geschichte unseres Landes wurde von Männern und Frauen ge-schrieben. Es gibt viele Frauen, die es verdient hätten, ins Rampenlicht gestellt zu werden.» 

Chiara Simoneschi-Cortesi bezeichnet die Auswahl des Schweizer Fernsehens gar als «zum Weinen». Die CVP-Politikerin erinnert an die politische Pflicht der SRG, «die Bestimmungen der Verfassung umzusetzen - und dazu gehört die Gleichstel-lung von Mann und Frau». 

SP-Nationalrätin Yvonne Feri schrieb in der Herbstsession einen Brief an SRG-Di­rektor Roger de Weck mit Unterschiften von 30 SP- Parlamentarierinnen und Parla­mentariern, um gegen die «zu einfache und zu bequeme Auswahl» der Protagonis­ten für das SRG- Projekt zu protestieren. 

Während der Nationalratssession kam es dann zur Aussprache mit de Weck. Offen-bar verkündete der SRG-Direktor dort, dass man die Frauen, die die Schweizer Ge­schichte im Hintergrund prägten, nicht in den Vordergrund rücken konnte, weil man damit das Publikum nicht abholen könne. 

SRG-Sprecher Iso Rechsteiner verwies derweil auf das Rahmenprogramm des The-menmonats. Die «Sternstunde»-Reihe stelle während des Themenmonats Frauen ins Zentrum und porträtiere Sophie Taeuber-Arp, S. Corinna Bille und Manon.

(Klein-Report, 8.10.2013)

Siehe auch „Frauen-Aufstand gegen SRG“:

http://www.sonntagonline.ch/ressort/aktuell/3277/

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