Ökologisch nachhaltig – sozial sinnvoll: "Tischlein deck dich" verteilt über 3000 Tonnen Lebensmittel

Hälfte / Moitié

Die gemeinnützige Organisation "Tischlein deck dich" verhindert die Vernichtung von Lebensmitteln und gibt diese an armutsbetroffene Menschen weiter. Das Konzept ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden: Im vergangenen Jahr wurden 3'259 Tonnen Lebensmittel verteilt. 

Die Nachfrage nach kostenlosen, einwandfreien Nahrungsmitteln ist stark gestiegen. Allein im letzten Jahr hat "Tischlein deck dich" elf neue Abgabestellen eingerichtet und unterhält nunmehr 111 Anlaufstellen in der ganzen Schweiz. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Ausgabe der Lebensmittel um zwölf Prozent und die Anzahl der BezügerInnen um ein Vielfaches gestiegen.

Zwölf Prozent mehr Lebensmittel verteilt

"Die Erweiterung unseres Angebotes verdanken wir auch der guten Zusammenarbeit mit der Schweizer Tafel", erklärt Alex Stähli, Geschäftsführer von "Tischlein deck dich". Die beiden Organisationen arbeiten eng zusammen und tauschen täglich Produkte aus. Frischprodukte, wie Gemüse, Salat und Früchte, können inzwischen vermehrt angeboten werden.

Leben mit wenig Geld

Einmal pro Woche werden die Nahrungsmittel an Personen abgegeben, die mit dem monatlich verfügbaren Geld nur schwer über die Runden kommen. Zu den Kunden zählen Working-Poors, Familien, Alleinerziehende, MigrantInnen und Menschen, die Sozialhilfe oder eine IV-Rente beziehen. Das knappe Haushaltsgeld wird durch die kostenlose Abgabe der Lebensmittel spürbar entlastet.

Das Angebot reicht von Getränken über Gemüse, Obst, Konserven, Süssigkeiten, Brot bis hin zu Fleisch-, Milch- und Tiefkühlprodukten. "Tischlein deck dich" arbeitet mit über 800 ProduktspenderInnen aus der Lebensmittelindustrie, der Landwirtschaft und dem Handel zusammen. Aber auch Fachgeschäfte und Privatpersonen sind immer öfter dazu bereit, Ware, die vernichtet werden sollte, weiterzugeben.

Hierbei handelt sich um Produkte deren Verpackung beschädigt ist, die nur noch kurze Haltbarkeitsdaten vorweisen oder die aus Überproduktionen und Fehldispositionen stammen.

Effiziente Logistik und Qualitätsbewusstsein

Um Abholung, Zwischenlagerung und Lieferung flexibel zu bewältigen, braucht "Tischlein deck dich" eine gut funktionierende Logistik. 

Seit letztem Jahr stehen hierfür sechs eigenständige Logistikplattformen bereit: in Grenchen, der italienischen Schweiz in Cadenazzo, in der Ostschweiz in Winterthur, sowie in der Zentralschweiz in Baar. Eingesammelte Lebensmittel werden kontrolliert, aufbereitet, fachgerecht gelagert und zeitnah an die örtlichen Abgabestellen verteilt.

Durch die kurzen Transportwege kann "Tischlein deck dich" mit seinen insgesamt 21 Kühlfahrzeugen schnell reagieren und die Produktespenden rasch verteilen. Eine engmaschige Einhaltung der Kühlkette – das heisst die durchgängige Kühlung beim Transport vom Grosshandel zum Verbrauch – und die Qualität der Produkte sind garantiert.

Regionale Ausgabestellen

Für den Bezug der kostenlosen, einwandfreien Lebensmittel wird symbolisch bei der Ausgabe ein Franken entrichtet und eine Tischlein deck dich-Bezugskarte benötigt. Die Bezugskarte kann bei den Sozialfachstellen beantragt werden und ist ein Jahr gültig.

"Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr unterstützungsbedürftige Menschen trauen, das Angebot auch wirklich zu nutzen" resümiert eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Meist wird das Angebot in den Räumen der Kirchengemeinden ermöglicht, aber manche Betroffene zeigen sich nur ungern in der Öffentlichkeit. Helfer und Helferinnen wissen um die Scham der Besucher und Besucherinnen, aber durch Feingefühl und Respekt kann Vertrauen entstehen. Vielerorts ist der wöchentliche Termin zu einem sozialen Treffpunkt geworden, an dem neue Hilfeleistungen, so wie Friseurangebote und Mittagstische entstehen. "Hier vergesse ich einen Moment lang, dass ich bedürftig bin" sagt eine Kundin. 

Zur Information 

"Tischlein deck dich" engagiert sich seit 1999 für den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln, untersteht dem Schweizerischen Lebensmittelgesetz und ist ISO 9001:2008-zertifiziert.

Der konfessionell und politisch unabhängige Verein ist ausschliesslich spendenfinanziert und erreicht pro Woche mit seinem Angebot über 15 000 Menschen in Not. 2 500 freiwillige Mitarbeitende, Zivildienstleistende und Menschen
in Beschäftigungsprogrammen gewährleisten die regionalen Angebote und die effiziente Logistik.

Abgabestellen und Öffnungszeiten

http://www.tischlein.ch/abgabestellen.html 

Neue Abgabestellen werden in Sursee LU, St. Gallen SG, Neuhausen SH, Landquart GR, Erlen TG, Pfäffikon SZ, Schwarzenburg BE und Grosshöchstetten BE geprüft und geplant. 

Quelle: Pressemitteilung vom 1. Februar 2016[

www.tischlein.ch

http://www.tischlein.ch/fileadmin/seiteninhalt/medien/mb_2015/27.9.2015_Sonntagsblick.pdf

http://www.tischlein.ch/index.php?id=3&L=0

PartnerInnen

www.schweizertafel.ch

www.caritas-markt.ch 

Unterstützung

Coop, Transgourmet, die Ernst Göhner Stiftung sowie die Winterhilfe Schweiz unterstützen den Verein.

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Stichwort: Food Waste 

Food Waste heisst Nahrungsmittelabfall und bezeichnet die Nahrung, die für Menschen produziert, aber nicht verbraucht wird. In der Schweiz landen zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel pro Jahr im Müll (www.foodwaste.ch). 

Das britische Institut Institution of Mechanical Engineers (IME) ging im Jahr 2013 davon aus, dass weltweit die Hälfte aller Lebensmittel vernichtet werden. (en.wikipedia.org/wiki/Food_waste)

Privatpersonen, Organisationen, Initiativen und Politiker setzen sich unter dem Stichwort Food Waste gegen verschwenderisches Konsumverhalten und für die Schonung unserer natürlichen Ressourcen ein.

Veranstaltungstipps 

Isst die Welt gerecht? 

Referate und Podiumsgespräch an der Universität Zürich, 29. Februar 2016

http://www.kripo.uzh.ch/2016/01/30/isst-die-welt-gerecht/ 

Vierte Nachhaltigkeitswoche der Zürcher Hochschulen, 7. bis 12. März 2016

http://www.nachhaltigkeitswoche.ch/aktuell/ 

Zum Weiterlesen:

Essen wertschätzen und geniessen

www.foodwaste.ch 

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln –

Wo geht Nahrung verloren?

www.aess-bar.ch/docs/Foodwaste-BWL.pdf

 

Textbearbeitung für Hälfte/Moitié: Regine Beeg

 

 

 

 

 

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