Wohnungsnot für die Schwächsten

Markus Troxler

Menschen am Rand der Gesellschaft werden auf dem Wohnungsmarkt zusätz­lich benachteiligt. Für Menschen ohne feste Anstellung, mit Schulden sowie für kranke Menschen ist es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich geworden, ei­gene vier Wände zu finden. Was ihnen bleibt, ist ein vorübergehender Schlaf­platz bei Bekannten oder in einer Notschafstelle.

Die meisten Wohnungen in den Städten übersteigen das Budget Armutsbetroffener um ein Vielfaches. Zumutbare Wohnungen zu fairen Prei­sen sind rar und entspre­chend umkämpft. So erstaunt es nicht, dass Menschen mit Handicap spätestens bei der Durchsicht der Bewerbungs­unterlagen zumeist den Kürzeren ziehen. Sinnbildlich für diese Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt steht eine Anzeige des Immobili­en­dienstleisters Casa Gu, der sich auf seiner Website als „vielleicht ein bisschen menschlicher“ anpreist. In der Anzeige wird unmissverständlich festgehalten: „Wir haben leider schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb bevorzugen wir Mieter ohne Unterstützung und Beistand von Sozial- oder Hilfswerken.“

Die Chance benachteiligter Menschen eine angemessene Wohnung zu finden habe sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert, hält Markus Neher, Leiter der Wohnbegleitung bei WOhnenbern fest. Sein Team unterstützt Menschen am Rand der Gesellschaft dabei, alleine wohnen zu können. Dazu hat WOhnenbern rund fünf­zig Wohnungen gemietet, die an Interessenten untervermietet werden. Auch wenn viele dieser Menschen inzwischen wieder fähig wären selbstständig zu wohnen, ver­bleiben sie in den Wohnungen von WOhnenbern. Der Zugang zu regulären Miet­wohnungen bleibt ihnen oftmals verwehrt. Damit verstopfen sie weiteren Bedürftigen den Zugang zu diesem Hilfsangebot.

Als Beispiel führt Markus Neher Herrn P. an, der vor einigen Monaten auf dringende Bitte einer Klinik in die einzige freie Wohnung der Wohn­begleitung aufgenommen wurde. Inzwischen sei P. trotz seiner Krankheit wieder absolut wohnfähig und sollte die Wohnung von WOhnen­bern wieder verlassen können. Da P. aber keine feste Anstellung nachweisen kann und einen Hund und eine Katze sein eigen nennt, wa­ren bisher alle Anstrengungen eine Wohnung zu finden umsonst.

Die Situation sei alarmierend, hält WOhnenbern fest. Armutsbetroffene seien auf­grund des akuten Wohnungsmangels teilsweise auf Cam­pingplätzen untergebracht. Mit den letzten lauen Herbsttagen schliesst demnächst aber auch der letzte Zeltplatz seine Pforten. Die Wohnun­gen von WOhnenbern sind aber weiterhin alle voll belegt.

Zur Information: Markus Troxler ist Vorstandsmitglied unseres Vereins für soziale Gerechtigkeit, dem Verlag des Mediendienstes Hälfte/Moitié.

Kontakt zu WOhnenbern: http://www.wohnenbern.ch/

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Welttag gegen Armut in Bern

Sechs Auswege aus der Armut & Sozialhilfebudget-Puzzle: Kornhausplatz Stadt Bern, 17. Oktober 12.00 bis 18.00 Uhr.

Im Kanton Bern werden immer mehr Menschen ärmer: der Berner Sozialbericht 2010 hat eine Zunahme der Armut im Kanton Bern festgestellt. Ein Ausstieg aus der Armut ist mittel- und langfristig möglich. Dazu sind jedoch neue Massnahmen notwendig, die bisherigen genügen nicht.

Der Berufsverband AvenirSocial Sektion Bern und KABBA, GMS Bern (Gruppe für Menschenwürde in der Sozialarbeit) sowie SAH Bern ma­chen am 17. Oktober 2012 öffentlich auf sechs Auswege aus Armut aufmerksam und lassen erfahren, was in einem Sozialhilfebudget (nicht) Platz hat.

An der Standaktion auf dem Kornhausplatz am Mittwoch, 17. Oktober 2012 informieren und sensibilisieren Armutsbetroffene und Professio­nelle der Sozialen Arbeit gemeinsam über Armut und Auswege aus der Armut.

Puzzle: Passant/innen können am Kornhausplatz selber zusammensetzen, was in ihrem fiktiven Sozialhilfebudget Platz hätte und was nicht (mehr).

Sechs Auswege aus langjähriger Armut: Aus den Erkenntnissen wissenschaftlicher Analysen zu den Ursachen von Armut lassen sich Aus­wege aus der Armut formulieren. Sechs Auswege empfehlen wir besonders.

Im offenen Brief an Regierungsrat, Parlament & Mitglieder der KoSEPo (Kommission für Sozial- und Existenzsicherungspolitik) vom 5.10.12 begründen wir unsere Empfehlungen. Der Kanton Bern soll die sechs Auswege in den zukünftigen Massnahmenplan zur Bekämpfung der Armut aufnehmen.

Der 17. Oktober ist der UNO-Welttag zur Überwindung von Armut. Zur Bekämpfung von Armut gehören eine soziale Existenzsicherung, Aus­wege aus prekären Lebenslagen und die Prävention von Armut.

Für die Organisation:

AvenirSocial Sektion Bern: http://www.avenirsocial.ch/bern

SAH Bern: www.sah-be.ch

KABBA: http://www.kabba.ch/

GMS-Bern: Markus Troxler, 031 372 63 68, troxler.bern@bluewin.ch

 

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Podiumsdiskussion Liste13 Basel:

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 19.00 Uhr, Seminar für Soziologie, Petersgraben 27, Basel, grosser Saal, 2. Stock

 

Existenzsicherung und soziale Rechte

Tatsächliche Existenzsicherung für sozial schwache Haushalte. Grundeinkommen? Kantonale Grundsicherung?

Soziale Rechte: Die von "unten" haben nicht die gleichen Rechte, wie die von "oben". Erleben zugleich Druck von überall her, Geldmangel, Not, Perspektivlosigkeit und finden keine Jobs.

Podiumsgäste:

RR Christoph Brutschin (Vorsteher Departement Wirtschaft, Soziales und Umwelt),

Professor Ueli Mäder, Harald Rein (Sozialwissenschaftler),

Christoph Ditzler (Liste13), Avji Sirmoglu (Liste13),

Moderation: Timm Eugster, Journalist.

 

Liste 13 gegen Armut und Ausgrenzung

c/o Internetcafé Planet13, Klybeckstrasse 60, 4057 Basel. www.liste13.ch

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