8. März – Internationaler Frauentag

Hälfte / Moitié

Der Weltfrauentag 2016 steht weltweit unter dem Motto «Zusicherung von Gleichheit»

Noch immer kämpfen Frauen länderübergreifend um soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung. Vor allem im Arbeitsleben sind Frauen nach wie vor mit geschlechtsspezifischen Hindernissen konfrontiert. Ausbildung, unbezahlte Haus- und Familienarbeit, Wiedereinstieg in den Beruf, schlechtere Lohnbedingungen und schlechte Altersvorsorge sind Stichworte im Kampf um Gleichstellung.

Drohende Jobverluste durch Digitalisierung

5 Millionen Jobs wird die fortschreitende Digitalisierung – laut einer WEF-Studie – in den nächsten Jahren vernichten – und Frauen werden davon besonders stark betroffen sein. Frauen stünden «in der Schusslinie der vierten industriellen Revolution», schreibt deshalb das WEF.

Gerade in Branchen, die mit der Digitalisierung an Bedeutung gewinnen – also vor allem die traditionellen Mint-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sind Frauen nach wie vor stark untervertreten. Handkehrum sind Frauen dort übervertreten, wo die Digitalisierung Jobs zum Verschwinden bringen könnte, wie zum Beispiel im Büro oder in der Verwaltung.

Nur 32 Prozent weibliche StudienabgängerInnen in den MINT- Disziplinen

Die Digitalisierung wird laut WEF-Studie zwar ähnlich viele Frauen- wie Männerjobs vernichten. Da die Frauen auf dem Arbeitsmarkt aber immer noch deutlich untervertreten sind, wird dieser Verlust ihren Anteil noch weiter verringern und die Kluft zwischen den Geschlechtern vergrössern.

Bleibt die Geschlechterkluft in der Industrie bestehen und gewinnen die Mint-Branchen weiterhin so rasant an Bedeutung, laufen die Frauen Gefahr, die besten Jobs der Zukunft zu verpassen. Architekten und Ingenieure haben gute Karten – Büroangestellte eher weniger.

Frauen- und Männerrollen in Beruf und Familie

Gerade in den westlichen Industrienationen ist die Frauenförderung schon lange ein Thema. Doch trotz des Wachstums bleiben die Frauen nach wie vor markant untervertreten. Der wichtigste Grund dafür ist «eine unbewusste Voreingenommenheit der Manager». Viele Manager denken offenbar immer noch, dass Frauen ihre Karriere weniger ernst nehmen als Männer oder dass erfolgreiche, kompetente Frauen keine angenehmen Menschen sein können.

Es fehlt an weiblichen Vorbildern und Rollen: Viele Frauen trauen sich nicht, gewisse Jobs anzustreben, weil sie den damit verbundenen Druck fürchten. Noch immer sind weitaus mehr Männer in Leitungspositionen und Frauen finden sich in den helfenden, beratenden und betreuenden Positionen, den klassischen Frauenberufen, wieder.

Quelle: Der Tagesanzeiger 18.1.2016

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Warum-die-Digitalisierung-die-Frauen-abhaengt/story/24409429

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Förderung von Frauen im Beruf durch Teilzeitarbeit

Wirkungsvolle Maßnahmen zur Förderung von Frauen im Beruf seien familienfreundliche Arbeitszeiten für Mütter und Väter und die Möglichkeit, zeitweise von zu Hause arbeiten zu können – betont auch die Gewerkschaft IG Metall in einer anlässlich des Internationalen Frauentags in Auftrag gegebenen Studie. Drei Viertel der Befragten befürworten demnach Teilzeitangebote für Eltern, um Frauen im Beruf zu fördern.

Keine signifikanten Veränderungen ergab die Umfrage bei der Einschätzung bezüglich Lohn und Karriereaussichten für Frauen: Immer noch beklagten 70 Prozent der Befragten eine Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft und bei der Bezahlung von Arbeit.

Die Einschätzung, dass Frauen im Berufsleben benachteiligt werden, nimmt mit zunehmenden Alter sogar zu: Während 36 Prozent der befragten unter 30-Jährigen Nachteile für Frauen erkennen, kritisieren über die Hälfte der über 45-Jährigen (56 Prozent) grundsätzliche Benachteiligungen von Frauen im Beruf.

Aufstieg und Führung in Teilzeit ist in deutschen Firmen kaum denkbar. Laut der Gewerkschaft IG Metall brauche es einen Kulturwandel, um endlich die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben zu ermöglichen.

Quelle: Pressemitteilung der IG Metall vom 7. März 2016

https://www.igmetall.de/pressemitteilungen-2016-21113.htm

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Fehlende Anerkennung für Haus- und Familienarbeit

Weil Frauen rund 80 Prozent der Haus- und Pflegearbeit leisten, also viermal so viel wie Männer, wurde in Deutschland der erste Equal Care Day ausgerufen. Die InitiatorInnen wollen damit auf die ungleiche Verteilung der sogenannten «Care-Arbeit» in Haus und Familie aufmerksam machen.

Hannelore Buls, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, sprach auf dem ersten Equal Care Day über das problematische Verhältnis von Ehrenamt, Familienarbeit und bezahlter Dienstleistung.Bei der Arbeit in der Familie würden selbst namhafte ÖkonomInnen behaupten, sie könne nicht bezahlt werden – sie sei unbezahlbar. Da sei nicht nur die Rede von der ‹aus Liebe› zur Familie erbrachte Betreuungsleistung oder vom Ehrenamt zur ‹Rettung› der Menschheit, sondern auch davon, dass die Milliarden unbezahlter Arbeitsstunden, wollte man sie tatsächlich bezahlen, eine so hohe Summe ergeben, dass von dieser Idee sofort Abstand genommen werde.

Unterbezahlte Arbeit in traditionellen Frauenberufen

Buls sprach über die fehlende Anerkennung für Betreuungs-, Haus- und Familienarbeit. Wenn beispielsweise in der Pflege oder Kinderbetreuung bislang unbezahlt erbrachte Arbeit in ein bezahltes Arbeitsverhältnis übergehe, so fehle hier eine angemessene Anerkennung – und führe zu unterbezahlter Arbeit in den traditionellen Frauenberufen. Buls spricht hier von einem Teufelskreis, der entsteht, wenn unbezahlte Arbeit in Konkurrenz mit bezahlter Arbeit tritt.

Quelle:

http://www.frauenrat.de/deutsch/infopool/nachrichten/informationdetail/article/eine-frage-der-wertschaetzung.html

http://www.equalpayday.de

Zum Weiterlesen:

http://www.blick.ch/news/politik/yvonne-feri-zum-tag-der-frau-hier-werden-schweizer-frauen-diskriminiert-id4774960.html?seId=4774607

http://www.haelfte.ch/index.php/newsletter-reader/items/Lohngleichheit_SGB.html

 

 

Zusammenstellung und Bearbeitung: Regine Beeg, freie Mitarbeiterin Hälfte

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