Zum UNO-Welttag gegen Armut und Ausgrenzung am 17. Oktober

Nationalrätin Y. Feri

Als Gemeinderätin für Soziales und Familie im aargauischen Wettingen stelle ich immer wieder fest, wie sehr Armut ein trauriges Schicksal für Familien und ihre Kinder sein kann. Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten, systematisch gegen dieses Elend der Menschheit zu kämpfen – wenn der Wille da wäre.

Armut kommt auch in der Schweiz vor, obwohl unser Land zu einem der reichsten Länder der Welt gehört. Das Bundesamt für Statistik hält Folgendes fest: „Im Jahr 2014 liegt die Armutsgefährdungsschwelle für einen Einpersonenhaushalt bei 29’501 Franken pro Jahr und 13,5 Prozent der Bevölkerung der Schweiz oder nahezu jede achte Person ist von Armut bedroht.“  Mehr als eine Millionen Menschen in unserem Land sind somit von einer armutsähnlichen Situation betroffen – nicht nur finanziell, sondern auch sozial gesehen. Sie leben ganz unten in der Gesellschaft. Unsere Politik sollte auch ihnen dienen. Selbstverständlich darf Armut in der Schweiz nicht mit der Armut in Schwellenländern verglichen werden.

Für armutsbetroffene Kinder

Die Beseitigung der Vererbung von Armut und die Zukunft von armutsbetroffenen Kindern liegen mir im politischen Denken und Tun sehr am Herzen.

In meiner Tätigkeit als Nationalrätin aus dem Kanton Aargau habe ich verschiedene Interventionen zum Thema Armut, Sozialhilfe, Situation bei Trennung und Scheidung, Kinderzulagen etc. eingereicht. Ich stellte dem Bundesrat verschiedenste Fragen, und machte Vorschläge. Beispielsweise, ob er bereit sei, bedarfsabhängige Kinderzulagen einzuführen, d.h., dass die Kinderzulagen für finanziell schwächere Familien höher wären als für reichere Familien.

In seinen Antworten führt der Bundesrat immer wieder aus, dass Verbesserungen im Sozialhilferecht grundsätzlich in die Kompetenz der Kantone fallen, und diese gelte es zu koordinieren. Zudem seien Bedarfszulagen für einkommensschwache Familien aus finanzpolitischen Überlegungen gegenwärtig für die Eidgenossenschaft nicht tragbar.

Armutsbekämpfung mit Ausbildung

Als Gemeinderätin für Soziales und Familie im aargauischen Wettingen kann ich stets feststellen, wie sehr Bildungsarmut und ökonomische Armut zusammenhängen. Und wie eine gute Ausbildung, zu der wir Kinder aus einkommensschwachen Familien befähigen, mittel- bis langfristig das beste Mittel im Kampf gegen die Armut sein kann. Dazu braucht es Projekte, Programme, Stipendien, Finanzen und Mut.

In seiner Medienmitteilung zur Armut 2014 hält das Bundesamt für Statistik auch fest: «Die Armutsgefährdung ist stark von der familiären Situation und vom Ausbildungsniveau abhängig. Ausserdem sind Personen mit einer tertiären Ausbildung 4,5-mal weniger armutsgefährdet als jene, welche ihre Ausbildung mit der obligatorischen Schule abgeschlossen haben (5,9% gegenüber 26,6%).»

Weltweites Problem

Armut besteht weltweit. Schon im Jahre 1992 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) den 17. Oktober zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut erklärt. Das ist ein Tag, der zum Nachdenken und zur Motivation für politisches Wollen anregt. Auch bei uns in der Schweiz.

Eine globale Chancengleichheit für alle Menschen wäre anzustreben.

Im UNO-Bericht über die menschliche Entwicklung 2014 steht: „Am anfälligsten sind Menschen, die unter extremer Armut und Entbehrung leiden. Trotz jüngster Fortschritte bei der Armutsbekämpfung leben über 2,2 Milliarden Menschen annähernd oder vollständig in mehrdimensionaler Armut. Dies bedeutet, dass für mehr als 15 Prozent der Weltbevölkerung nach wie vor das Risiko mehrdimensionaler Armut besteht. Gleichzeitig fehlt es fast 80 Prozent der Weltbevölkerung an umfassendem sozialem Schutz (S. 3, Überblick).“

Migration aus wirtschaftlichen Gründen ist eine logische Folge davon. Und integrale Entwicklungshilfe der reichen Länder als ausgleichende Gegenmassnahme zwingend.

Mit Jeremias Gotthelfs Losung, «im Hause müsse beginnen, was leuchten solle im Vaterland» meine ich: Machen wir doch unsere Gemeinde, unseren Kanton und unser Land zu einem guten Beispiel dafür, wie wir erfolgreich gegen Armut und Ausgrenzung kämpfen.

Zur Person:

Yvonne Feri ist Nationalrätin (SP/AG) und Gemeinderätin (Soziales/Familie) von Wettingen. Sie kandidiert als Regierungsrätin des Kantons Aargau.

Siehe auch:

http://www.yvonneferi.ch/de/

http://www.sp-ps.ch/de/publikationen/espress/mit-sozialhilfe-die-zukunft-investieren

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/03/blank/key/07/02.h

http://www.dgvn.de/fileadmin/user_upload/PUBLIKATIONEN/UN_Berichte_HDR/HDR/HDR_2014/HDR-2014-Internet.pdf


Zurück


Unterstützen Sie den Mediendienst
Hälfte/Moitié mit einer Spende über PayPal:



Bitte teilen Sie unsere Artikel: